E-Auto-Förderung verschütten

9. Mai 2016, 10:26
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Der Erfolg des Automobils gründet ja nicht darin, dass uns der Staat jemals geholfen hätte, ein Auto billiger zu kaufen, sondern dass er die Infrastruktur dafür aufbaute

Mehrere Tausend Euro Förderung im Wert von insgesamt 1,2 Milliarden Euro sollen in Deutschland direkt an Käufer von Elektroautos ausgeschüttet werden. Denn das Geschäft mit den Elektroautos läuft sehr schlecht. Die prognostizierten – Pardon: prophezeiten – Absatzzahlen werden nämlich bei weitem nicht erreicht. Und damit das Ganze den Staatssäckel nicht allzu sehr belastet, sollen sich die Hälfte der Förderung die Autohersteller gleich selber bezahlen.

Zu Hause Laden in der Stadt

Von einer Obergrenze von 60.000 Euro ist die Rede, damit nicht nur die Reichen profitierten, heißt es. Dabei denkt offenbar niemand an die eigentlichen Ursachen eines schleppenden Absatzes von Elektroautos. Wer selbst zu Hause keine Möglichkeit hat, sein Elektroauto zu laden, wird nämlich sicher keines kaufen. Denn die öffentliche Ladeinfrastruktur ist nur dazu geeignet, Autos auf längeren Etappen nachzuladen.

Auf dem Land, wo jeder einen eigenen 400-Volt-Anschluss hat, wäre es ja einfach, Steckdosen zu montieren, aber gerade in Ballungsräumen, wo das Elektroauto die größte Entlastung in Sachen Lärm und Schadstoffe darstellen könnte, ist es heute nur unter besonders glücklichen Umständen möglich, eine eigene Wallbox zu installieren. Und man kann ja nicht sein Ladekabel aus dem Fenster hängen lassen.

Ladeinfrastruktur schaffen

Der Erfolg des Automobils gründet ja auch nicht darin, dass uns der Staat jemals geholfen hätte, ein Auto billiger zu kaufen, sondern dass er die Infrastruktur namens Straßen aufbaute. So wären wohl auch in Sachen Elektromobilität Investitionen in die Ladeinfrastruktur möglicherweise zielführender, als reichen Leuten Steuergeld in die Hand zu drücken, damit sie sich einen Dritt- oder Viertwagen anschaffen. (Rudolf Skarics, 9.5.2016)

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    foto: apa
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