Wetterumschwung begünstigt Kampf gegen Waldbrände in Kanada

9. Mai 2016, 06:03
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Feuer breitet sich langsamer aus als erwartet

Edmonton – Hoffnungsschimmer im Flammenmeer: In der kanadischen Provinz Alberta spielen günstiger Wind und kühleres Wetter den Rettern in die Hände. Das Feuer wird zwar kanadischen Medienberichten zufolge noch viele Wochen lang brennen, die Flammen trieben aber am Montag weg von der zerstörten Stadt Fort McMurray.

Das Flammenmeer habe sich nicht so stark ausgebreitet wie befürchtet, sagte Rachel Notley, Regierungschefin der Provinz Alberta. Feuerwehrchef Chad Morrison sagte der "Calgary Sun": "Wir können jetzt wirklich zupacken, und wir können dieses Feuer wirklich niederringen."

Er wolle noch nicht von einem Wendepunkt sprechen, aber er fühle sich durch die jüngsten Fortschritte sehr ermutigt, sagte Morrison. Für die Brandbekämpfung sei nun "tolles Wetter".

Nach Angaben des Senders CTV hatte der Brand bis Sonntagnachmittag (Ortszeit) nach Schätzungen eine Fläche von 1.610 Quadratkilometern erfasst. Das seien zwar 100 Quadratkilometer mehr als am Samstag, aber 400 weniger als ursprünglich von der Feuerwehr befürchtet.

Die Retter konzentrieren sich neben der Eindämmung der Flammen nun darauf, die kritische Infrastruktur Fort McMurrays zu schützen. Die Innenstadt und auch das Krankenhaus wurden weitestgehend verschont.

Notley war am Montag auf dem Weg in die Ölsandregion, um sich ein genaueres Bild der Lage zu machen. Sie hatte am Wochenende gewarnt, die Größe des Feuers könne sich fast verdoppeln.

Ganze Viertel abgebrannt

200 Hubschrauber und 500 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Luftaufnahmen zeigten am Montag mehrere Hektar große Flächen, die nur noch aus schwarzer Erde und verkohlten Baumstümpfen bestehen. In der Stadt Fort McMurray selbst sind ganze Viertel abgebrannt. Mindestens 1.600 Gebäude sind zerstört.

Notley hatte die Evakuierten am Wochenende darauf vorbereitet, dass sie noch eine Weile nicht zurück nach Fort McMurray könnten: "Das Gas wurde abgestellt, das Elektrizitätsnetz ist beschädigt, in großen Teilen der Stadt gibt es gar keinen Strom und das Wasser kann man im Moment nicht trinken", sagte die Regierungschefin. Zudem müsse erst "gefährliches Material" entsorgt werden, "bevor die Stadt wieder sicher ist und die Familien zurückkehren können".

Zwei Menschen (15 und 19 Jahre alt) starben bei einem Unfall in einem Auto auf der Flucht vor den Bränden. Es gab keine Opfer in direktem Zusammenhang mit dem Feuer.

Die Waldbrände hatten vor einer Woche das für Ölsandgewinnung bekannte Fort McMurray überrollt. Die Stadt wurde geräumt. Viele der Zehntausenden Bewohner der Stadt sind zur Rückkehr entschlossen. Wann das möglich sein wird, ist offen.

Das Feuer war so gewaltig, dass es sein eigenes Mikroklima schuf. Die Brände waren auch am Montag etwa 30 Kilometer von der Grenze zur benachbarten Provinz Saskatchewan entfernt. Diese Gegend ist so gut wie unbewohnt. (APA, 9.5.2016)

  • In der kanadischen Provinz Alberta sind die Flammen weiterhin außer Kontrolle.
    foto: reuters/chris wattie

    In der kanadischen Provinz Alberta sind die Flammen weiterhin außer Kontrolle.

  • Artikelbild
    grafik: apa
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