"Fest der Freude" mahnt zur Wachsamkeit

8. Mai 2016, 21:15
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Kritik an FPÖ-Präsidentschaftskandidat Hofer von Mernyi und Wehsely – Sobotka: Rechtsradikalismus "mit aller Schärfe bekämpfen"

Wien – Beim "Fest der Freude" ist am Sonntagabend mit einem Gratiskonzert der Wiener Symphoniker die Befreiung vom nationalsozialistischen Regime vor 71 Jahren gefeiert und der Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden. Die Redner auf dem Wiener Heldenplatz riefen angesichts des steigenden Rechtsextremismus dazu auf, wachsam zu sein. Auch der Präsidentschaftswahlkampf war Thema.

foto: apa/oczeret
"Tag der Freude, weil das Sterben beendet wurde."

Mauthausen-Komitee-Vorsitzender Willi Mernyi kritisierte erneut den FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer, der bei einem TV-Auftritt zum 8. Mai erklärt hatte, es sei kein Tag der Freude, wenn Menschen in einem Krieg sterben. "Für uns ist der 8. Mai ein Tag der Freude, weil das Sterben beendet wurde", entgegnete Mernyi, "weil das Morden beendet wurde", weil der Nationalsozialismus ein Ende gefunden habe.

Tag der Freude

Inzwischen hatte Hofer in einem Zeitungsinterview klargestellt: "Dass der Weltkrieg aus ist und Österreich von der Nazidiktatur befreit wurde, ist natürlich ein Tag der Freude. Krieg selbst ist nie ein Grund zur Freude, weil es bei jedem Krieg unzählige Opfer gibt." Dennoch warnte auch die Wiener SPÖ-Stadträtin Sonja Wehsely in ihrer Rede: Ein Bundespräsident, der sich nicht auf die Seite der Opfer stelle und der nicht wisse, dass dieser Tag ein Freudentag sei, "der kann diese solidarische Gesellschaft nicht verteidigen, sondern der gefährdet diese solidarische Gesellschaft". Zuhörer in der ersten Reihe der Festgäste war Hofers Konkurrent Alexander Van der Bellen.

foto: apa/afp/joe klamar
Konzert der Wiener Symphoniker Sonntagabend auf dem Heldenplatz.

Man dürfe das unendliche Leid der Opfer niemals vergessen und nicht zulassen, dass es jemand nivelliere, erklärte Wehsely. Es sei wichtig, daran zu erinnern, dass auch die Verbrechen der Nazis "klein begonnen haben". Man müsse "in aller Deutlichkeit" jene zurechtweisen, die ihre Politik für die Spaltung der Gesellschaft benutzen wollen. Auch die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) betonte, man müsse das Gemeinsame vor das Trennende stellen.

Leid und Unrecht

"Vor 71 Jahren ist Leid und Unrecht in Österreich zu Ende gegangen", sagte Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP). Es sei aber kein Freudentag, wenn es noch immer Leute gebe, die sich anders an diesen Tag erinnern wollten. Der zuletzt angewachsene Rechtsradikalismus sei "mit aller Schärfe zu bekämpfen", rief Sobotka, "dafür brauchen wir Sie alle!" Man müsse wachsam sein: Auch 1933 habe es mit Schmierereien begonnen, "heute finden wir sie wieder – wehret den Anfängen!"

foto: apa/afp/joe klamar
Am 8. Mai wird die Niederlage des NS-Regimes gefeiert.

"Niemals wieder", betonte auch Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ). Hunderttausende Menschen hätten vergangenes Jahr auf der Durchreise Solidarität in Österreich erfahren, erklärte sie zum thematischen Schwerpunkt "Solidarität" der vierten Ausgabe des Festes. Zehntausende hätten hierzulande Zuflucht vor Krieg und Verfolgung gefunden. Nun sei es die große Aufgabe, das Zusammenleben in Österreich in gegenseitigem Respekt und Wertschätzung zu gestalten.

Am 8. Mai jährt sich die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. Das Datum markiert das Ende des NS-Regimes, bereits am 5. Mai 1945 hatten alliierte Truppen das Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich befreit. Solidarität bedeute, wenn man das letzte Stückchen Brot mit den Kameraden teile, sagte der KZ-Überlebende Daniel Chanoch. Er habe Angst, dass die Welt zurückkehre in die Vergangenheit – man müsse die Demokratie beschützen.

Mittelpunkt der Feier war das Konzert der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Christoph von Dohnanyi. Zu hören waren Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 3 "Eroica" und Arnold Schönbergs "Ein Überlebender aus Warschau" mit Bariton Thomas Hampson. (APA, 8.5.2016)

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