Ministerrochaden in Saudi-Arabien

8. Mai 2016, 17:10
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Mächtiger Ölminister entlassen, Nachfolger ist Ex-Aramco-Chef – Auch neuer Handelsminister und Zentralbankchef

Riad – Saudi-Arabiens König Salman hat seinen langjährigen Energieminister Ali al-Naimi entlassen und den Verwaltungsratschef des Ölgiganten Aramco, Khaled al-Falih, zu dessen Nachfolger ernannt. Falih erklärte am Sonntag, er werde am bisherigen Kurs festhalten. Bei dem am Samstag angekündigten Umbau wurden auch andere zentrale Posten neu besetzt.

Der Schritt soll Beobachtern zufolge die jüngst eingeleiteten wirtschaftlichen Reformen stützen, mit denen der weltgrößte Ölexporteur seine Abhängigkeit von den schrumpfenden Rohstoffeinnahmen verringern will. Als Teil des Umbaus wird das Öl-Ressort vergrößert und in Ministerium für Energie, Industrie und Bodenschätze umbenannt.

Falih hatte seit einem Jahr das Amt des Gesundheitsministers inne, das er nun aufgibt. Er war bis 2015 Aramco-Chef und wurde dann zum Vorstandschef ernannt. Beobachter gehen davon aus, dass es keine größeren Veränderungen geben wird, zumal der Energie-Bereich zuletzt immer mehr vom stellvertretenden Kronprinzen Mohammed bin Salman geprägt wurde.

21 Jahre als Ölminister

Falih folgt dem 80-jährigen Naimi nach, der das Amt seit 1995 bekleidete und lange als einer der einflussreichsten Vertreter des weltweiten Energie-Sektors galt. Nur ein Wort von ihm konnte die Öl-Märkte bewegen. Er verfolgte den Kurs, auch in Zeiten niedriger Ölpreise an der Fördermenge festzuhalten, um Konkurrenten mit höheren Förderkosten aus dem Rennen zu schlagen. Unter König Salman schwand allerdings zunehmend sein Einfluss.

Kronprinz Salman gilt auch als Urheber des tiefgreifenden Reformprojekts unter dem Namen "Vision 2030", mit dem Saudi Arabien seinen Wohlstand bei geringeren Einnahmen aus dem Öl-Geschäft mit verstärkten Auslandsinvestitionen langfristig sichern will. Nicht erst seit dem Ölpreisverfall ab 2014, der tiefe Löcher in den Staatshaushalt reißt, steht Saudi-Arabien unter Druck, eine Zukunft zu entwerfen, in der das Land dem Geschäft mit dem Schwarzen Gold nicht mehr ausgeliefert ist.

Die Hoffnungen des Landes ruhen nun insbesondere auf dem mächtigen Staatsfonds PIF. Dessen Vermögen soll durch einen umfassenden Umbau auf umgerechnet 2.000 Milliarden von 160 Milliarden Dollar ausgebaut werden. PIF soll der Dreh- und Angelpunkt für die Auslandsinvestitionen werden. Geprüft wird auch ein Börsengang von Aramco. König Salman ernannte am Samstag zudem einen neuen Handels- und Investitionsminister. Auch an der Spitze der Zentralbank gibt es einen Wechsel. Der Finanzminister bleibt im Amt. (APA, Reuters, 8.5.2016)

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    foto: reuters/bagalil
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