Brenner: Italienisches Duell mit österreichischen Zaungästen

8. Mai 2016, 12:25
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Bei einer Demonstration auf der italienischen Seite des Brenners kam es am Samstag zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Linken, sechs Personen wurden verhaftet

Österreich hielt am Samstag auf dem Brenner die Stellung – aus sicherer Distanz. Dreihundert Beamte aus mehreren Bundesländern waren zum Einsatz gegen den von italienischen Linken und Anarchisten ausgerufenen "internationalen Tag des Kampfes" abkommandiert. Sie standen auf österreichischer Seite und riegelten die Grenze ab, zu tun hatten sie schlussendlich nicht viel. Den Kampf lieferten sich die italienischen Kollegen.

Denn im Zuge der inzwischen dritten – diesmal jedoch nicht behördlich angemeldeten – Demonstration gegen die geplanten Grenzkontrollen kam es zu massiven Ausschreitungen, der Verkehr über den Brennerpass war kurzfristig lahmgelegt. Rund 250 gewaltbereite Linke, vermummt, mit Helmen, Gasmasken und Schlagstöcken ausgerüstet, gingen auf die Beamten los, die sie am Marsch Richtung "Austria" hinderten.

Es war ein italienisches Aufeinandertreffen mit österreichischen Zaungästen. Die Krawallmacher unter den insgesamt 500 Protestierenden waren fast ausschließlich aus Italien angereist.

18 verletzte Polizisten

Die unaufgeregte Bilanz der Bozener Quästur: Sieben italienische Staatsbürger wurden verhaftet, es gab neun Anzeigen und 18 verletzte Polizisten, wurde gegenüber dem STANDARD bestätigt. Innenminister Angelino Alfano (NCD) lobte das professionelle Verhalten der Sicherheitskräfte, er wie auch der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) verurteilten die Krawalle. Heftige Auseinandersetzungen zwischen Linken und der Polizei sind in Italien keine Seltenheit.

Der Bürgermeister vom Brenner, Franz Kompatscher (SVP), war vor Ort und erklärte im STANDARD-Gespräch: "Jeder kann bei uns demonstrieren, wenn er sich an die Spielregeln hält, aber doch bitte unten auf dem Parkplatz und nicht oben im Ort." Er beziffert den wirtschaftlichen Schaden für die Gemeinde, die für Märkte und ihr Outletcenter bekannt ist, mit rund 200.000 Euro. Kompatscher halte die Demonstrationen für eine "gezielte Provokation gegen Österreich" und das sei doch "einfach unnötig".

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kommentierte in einer Aussendung am Sonntag: "Ich bin schockiert über das Ausmaß der Gewalt durch die Demonstranten gegenüber der italienische Exekutive."

Italienische Journalisten mit Schutzkleidung

Die österreichische Polizei war für das Schlimmste gewappnet – mit mehreren Wasserwerfern, Spezialeinheiten, Helikoptern und einer Rettungsbrigade des Roten Kreuzes. Ein etwas anderes Bild jenseits der Grenzlinie: Scheinbar willkürlich herumstehende Gruppen italienischer Beamter, manche in Uniform mit teils verbeulten Schildern, andere in Zivil – erkennbar an Schlagstöcken und Helmen, die an ihren Gürteln baumelten. Doch sie waren auf die Gewaltbereitschaft des Gegenübers offenbar gut vorbereitet.

Selbst viele der Dutzenden italienischen Journalisten kamen mit Helmen und Schutzkleidung angereist: "Die normale Demo-Ausstattung", erklärte eine Kollegin. Denn die vermummten Demonstranten gingen wahllos auf Beamte wie auch Kameraleute los. Schlussendlich trieb die Polizei den Pulk zum südlichen Ortsrand, wo sie die Versammlung unter massivem Einsatz von Tränengas und einem Wasserwerfer auflöste.

Flucht in die umliegenden Wälder

Die Schläger flüchteten daraufhin in die umliegenden Wälder, wo sie die Polizei bis in die Abendstunden verfolgte. In der Ortschaft Brenner zeugten am Ende des Tages umgeworfene Absperrgitter, leere Tränengaskartuschen, zerbrochene Scheiben und demolierte Autos von den Randalen. Politische Botschaft ließen die Demonstranten hingegen keine zurück. (Steffen Arora, Katharina Mittelstaedt, 8.5.2016)

  • Rund 300 österreichische Beamte aus mehreren Bundesländern standen bereit, kamen aber nicht zum Einsatz.
    foto: apa / expa / johann groder

    Rund 300 österreichische Beamte aus mehreren Bundesländern standen bereit, kamen aber nicht zum Einsatz.

  • Rund 250 Demonstranten waren gewaltbereit, sie schleuderten Steine und Böller auf die Polizei sowie auch auf Kameraleute.
    foto: reuters / dominic ebenbichler

    Rund 250 Demonstranten waren gewaltbereit, sie schleuderten Steine und Böller auf die Polizei sowie auch auf Kameraleute.

  • Schlussendlich wurden sechs Personen von der italienischen Polizei verhaftet, es gab neun Anzeigen.
    foto: mittelstaedt

    Schlussendlich wurden sechs Personen von der italienischen Polizei verhaftet, es gab neun Anzeigen.

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