Waldbrände in Kanada geraten immer mehr außer Kontrolle

8. Mai 2016, 08:11
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Feuerwehren hoffen auf Wetterumschwung – Sonntag soll kühlere Temperaturen bringen

Fort McMurray (Alberta) – Angefacht von trockenheißen Winden breiten sich die Waldbrände in der kanadischen Provinz Alberta immer weiter aus. Bis Sonntag dürfte sich die betroffene Fläche innerhalb eines Tages auf 3.000 Quadratkilometer verdoppelt haben, erklärte die Feuerwehr. Die Hoffnungen der Feuerwehr richten sich jetzt auf die Wetterprognosen für Sonntag. Die Meteorologen rechnen zumindest mit kühleren Temperaturen.

Ohne substanzielle Regenfälle könnten die Feuer aber noch Monate brennen, sagte ein Vertreter der Brandschutzbehörde von Alberta. Aktuell bewegen sich die Flammen in nordöstlicher Richtung auf die Nachbarprovinz Saskatchewan zu.

Die Stadt Fort McMurray mit 88.000 Einwohnern musste in den vergangenen Tagen komplett geräumt werden. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden seien 2.000 Autos sicher nach Süden geleitet worden, sagte ein Polizeivertreter am Samstag. Ein weiterer Flüchtlingskonvoi werde vorbereitet. Das betroffene Gebiet liegt im Herzen der kanadischen Ölindustrie.

Bereits am Freitag war in der Region eine zweite Evakuierungswelle für tausende Menschen Menschen gestartet worden. Regierungschef Justin Trudeau (44) sagte den fast 90.000 Geretteten aus der Region über Twitter erneut Unterstützung zu: "Die Stadt, die jahrelang so viel zu Kanadas Wirtschaft beigetragen hat, braucht jetzt unsere Hilfe. Wir werden für Fort McMurray da sein."

Die Polizei begann am Freitag damit, tausende Bewohner per Autokonvoi aus Notunterkünften im nördlichen Umland durch die brennende Geisterstadt zu eskortieren. Auf Fernsehbildern waren die Kolonnen aus jeweils 50 Pkw auf ihrem Weg durch die teilweise zerstörte Stadt zu sehen.

Fort McMurray war in der Nacht auf Mittwoch vollständig evakuiert worden. Angesichts der bedrohlichen Lage und drehender Winde entschieden die Behörden jedoch, dass auch die Notunterkünfte im nördlichen Umland nicht sicher seien. Daraufhin wurden die Evakuierungen Richtung Süden eingeleitet.

Konvoi durch die Flammen

Stoßstange an Stoßstange bei höchstens Tempo 60 zog sich der Konvoi durch die brennende Geisterstadt: An den Kreuzungen postierten sich Polizisten, um zu verhindern, dass die Einwohner von der vorgegebenen Route abweichen, um Habseligkeiten aus ihren Häusern zu retten. Über der Stadt kreisten drei Armeehubschrauber, um Alarm zu schlagen, falls die Flammen dem Highway 63 zu nahe kommen sollten.

foto: afp photo / cole burston/
Auch Busse waren bei der Evakuierung im Einsatz.

Die Flucht durch das Inferno sei eine "schreckliche Erfahrung" gewesen, sagte Margarita Carnicero, die mit ihrer Tochter als eine der ersten die Ortschaft Wandering River 200 Kilometer südlich von Fort McMurray erreichte. "Ich hatte Angst, aber ich habe versucht, sie nicht zeigen, um meine Tochter nicht zu verängstigen."

"Bei all dem Rauch war die Fahrt sehr belastend für die Lungen", sagte Greg Stengel, Angestellter eine Ölfirma. In der rohstoffreichen Provinz Alberta sind zahlreiche führende Ölunternehmen ansässig. Shell, Suncor und Syncrude zogen wegen der Brände bereits alle nicht unverzichtbaren Mitarbeiter aus der Region ab.

Rettung per Flugzeug

Insgesamt sollen 17.000 Einwohner das Katastrophengebiet um Fort McMurray auf dem Landweg verlassen. Die Behörden gehen davon aus, dass die Rettungsaktion insgesamt vier Tage dauern wird. 8.000 weitere Menschen waren am Donnerstag mit Flugzeugen und Hubschraubern ausgeflogen worden.

Regen könnte nach Ansicht von Katastrophenschützern die Situation entspannen: Der Wetterdienst sagte für Sonntag voraus, dass die Wahrscheinlichkeit für Niederschläge bei 30 Prozent liege. Am Sonntag sollte es dann jedoch wieder sonnig werden und erst in der zweiten Wochenhälfte erneut regnen.

foto: afp photo / cole burston

Das Feuer war vor einigen Tagen südlich der 100.000-Einwohner-Stadt in der Provinz Alberta ausgebrochen, starker Wind trieb die Flammen am Dienstag bis in die Stadt. In der Nacht zum Mittwoch ordneten die Behörden die vollständige Räumung der Stadt an. Viele Menschen flohen Richtung Norden, doch dort drohten sie nun erneut von den Flammen eingeschlossen zu werden.

Die Ölprovinz Alberta erlebt derzeit eine Rekorddürre und leidet zudem unter einer Hitzewelle. Seit Tagen herrschen Temperaturen von fast 30 Grad Celsius. 1.100 Feuerwehrleute sind im Einsatz, um die 49 verschiedenen Brände unter Kontrolle zu bringen. In Fort McMurray wurden 2.000 Häuser zerstört. (APA, Reuters, 8.5.2016)

  • Das Feuer nähert sich einer Autostraße an.
    foto: reuters/mark blinch

    Das Feuer nähert sich einer Autostraße an.

  • Die Waldbrände wüten bereits seit Tagen.
    foto: apa/afp/cole burston

    Die Waldbrände wüten bereits seit Tagen.

  • Glühende Waldbrände unter dem Nordlicht nahe Fort McMurray.
    foto: reuters/mark blinch

    Glühende Waldbrände unter dem Nordlicht nahe Fort McMurray.

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