Franco Kappl: Wie aus der gleißenden Leinwand gehauen

6. Mai 2016, 18:19
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Die Galerie Ulysses in Wien zeigt neue abstrakte Malerei von Franco Kappl: satte Dunkelheit und energetische Lichtakzente

Es fließt noch immer auf den Bildern von Franco Kappl. Auch wenn seine aktuelle Werkserie weg von der "saftigen" (Kappl) malerischen Dimension früherer Bilder, mehr hinein ins Plastische, ja Bildhauerische geht: Als hätte der Maler helle, abstrakte Formen aus der Tiefe "gehauen", heben sich auf den neuen, großformatigen Bildern teils halbtransparente, teils gleißend weiße Figuren von der flächigen Leinwand ab. Beinahe so, als könnte man sie an- oder begreifen – obwohl eine schwarze Fassung rund um die weißen Kringel und Falten keineswegs leugnet, dass sie das Dreidimensionale rein malerisch unterstützt.

Freilich ist es auch gar kein Geheimnis, dass der 1962 in Klagenfurt geborene Künstler seit jeher die genuin malerische Herausforderung liebt: die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Fläche und Raum, die Inszenierung von Hell-Dunkel-Kontrasten oder auch die gezielte grafische Setzung von Kontrapunkten und Strichen, mit denen er einen expressiven Farbauftrag kombiniert.

Letzteres war auch ausschlaggebend für die jüngste Werkserie in der Galerie Ulysses, an deren Anfang eine bemalte, zunächst verworfene Leinwand steht. "Der Künstler hat grafische Fährten in schmutzigem Weiß auf die rauchig-erdigen Farbebenen geschleudert", schreibt Florian Steiniger zum Entstehungsprozess der Bilder, auf denen man noch die Spuren eines ausladend-gestischen Farbauftrags sieht.

Schicht für Schicht

Zum Teil hat Franco Kappl, der in den 1980er-Jahren bei Arnulf Rainer an der Akademie studiert hatte, die weißen Flächen wohl auch gezielt aufgetragen; an vielen Stellen fransen die malerischen Spuren aber aus: Sie tropfen und haben Strukturen, als ob man sie mehrfach überlagert, zum Teil wieder weggewischt hätte.

Damit ist aber erst die unterste Schicht der Bilder beschrieben, die Kappl dann eben doch nicht verworfen, sondern vielmehr wie einen Rohdiamanten weiterverarbeitet hat.

Auch er hat hie und da wohl ziemlich gefeilt und letztlich mit einer präzise gesetzten opaken (Ein-)Fassung alles aus dem malerischen "Rohmaterial" herausgeholt: Dazu gehört neben der beeindruckenden räumlichen Tiefe die Plastizität der scheinbar im Raum schwebenden Formen.

Im malerischen Dialog mit den "Verwerfungen" hat er zudem eine sehr spezifische Ästhetik geschaffen; mit ihr assoziiert man aufgrund des Kontrasts zwischen quasi "belichteten" und opaken Stellen nicht zuletzt fotografische Entwicklungsverfahren. (Christa Benzer, 6.5.2016)

Bis 27. 5.

Galerie Ulysses

Opernring 21, 1010 Wien

  • Ein zunächst verworfenes Bild war Initialzündung für eine neue Herangehensweise Franco Kappls an die Malerei.
    foto: roland krauss

    Ein zunächst verworfenes Bild war Initialzündung für eine neue Herangehensweise Franco Kappls an die Malerei.

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