Griechenland: Danke, IWF

Kommentar6. Mai 2016, 18:00
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In Griechenland hat der Fonds längst die Rolle des Zuchtmeisters eingenommen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist wegen seines gerne als neoliberal gescholtenen Spardiktats verhasst. Vor allem in Ländern, die gerne von seinem Geld leben. In Griechenland hat der Fonds längst die Rolle des Zuchtmeisters eingenommen. Vor der möglicherweise entscheidenden Sitzung der Eurofinanzminister über die Annahme des bisherigen Reformkurses Athens fordert der IWF nun zusätzliche Einsparungen. Mit den bisher von der Regierung gesetzten Maßnahmen sind die mit Griechenland vereinbarten Programmziele nämlich nicht zu erreichen, zeigen seine Kalkulationen.

Die Eurozone und damit die Steuerzahler als Financiers des hochverschuldeten Landes sollten der Einrichtung dafür dankbar sein. Denn im Unterschied zum politischen Kuhhandel zwischen Brüssel und Athen geht es dem IWF in erster Linie um nackte Zahlen. Und anders als die Entscheidungsträger in der Währungsunion wird der Währungsfonds nicht gutes Geld schlechtem nachwerfen. Er wird schlicht und ergreifend aus dem Programm aussteigen, wenn die Prognosen wieder schöngerechnet werden, und die Rechnung den Europäern weiterleiten.

Alexis Tsipras wäre gut beraten, die neuen Forderungen zu schlucken, auch wenn er damit eine Zerreißprobe der Regierung riskiert. Denn ohne Sanierung der Staatsfinanzen wird auch das für eine Genesung der Wirtschaft notwendige Vertrauen der Investoren nicht zu gewinnen sein. (Andreas Schnauder, 6.5.2016)

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