Wahlen in Großbritannien: Labour in der Falle

Kommentar6. Mai 2016, 17:59
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Die Wahl von Donnerstag ist ein Rückschlag

Aus Sicht der SPÖ wäre es ein Luxusproblem, aus Sicht der britischen Schwesterpartei eine herbe Niederlage: Nur rund 31 Prozent haben die Labour-Kandidaten bei den Regionalwahlen im Schnitt erzielt. Das sind sieben Prozentpunkte weniger als im Vergleichsjahr 2012 – damals unter frischer Führung von Edward Miliband, des mittlerweile wegen Erfolglosigkeit abgelösten Parteichefs.

Seinen linksgerichteten Nachfolger Jeremy Corbyn muss vor allem das Ergebnis in Schottland quälen: In der einstigen Hochburg verlor man moderate Linke an die SNP. Und auch die Konservativen erhielten Zulauf – so viel, dass der einst führenden Labour nur noch Rang drei bleibt.

Drohen Corbyn also schon bald die Leiden des Werner Faymann? Das ist weder ihm noch der Partei zu wünschen. Corbyn ist erst zehn Monate im Amt – die große Mehrheit, die ihn damals gewählt hat, steht weiter hinter ihm und seinen Reformvorhaben. Versuche seiner Kritiker, den Kurs nun wieder zu ändern, würden intern zu Streit führen. Und sie würden das Image der Partei endgültig verwischen – ein Ergebnis, das auch die SPÖ gut kennt.

Die Wahl von Donnerstag ist ein Rückschlag. Auch dann, wenn man die regionale Sondersituation in Schottland außer Acht lässt. Sie lässt daran zweifeln, dass Corbyn Labour schnell wieder zu alter Stärke führen kann. Gute Alternativkandidaten stehen aber nicht bereit. Löst man ihn nun ab, droht bald die nächste sichere Niederlage. (Manuel Escher, 6.5.2016)

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