Anstieg bei Kleinstkriminalität: Treffen für Maßnahmenplan

6. Mai 2016, 16:24
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Thema bei Termin am Mittwoch: "Fremde Tatverdächtige", Sexualdelikte sowie Anstieg bei "kleinstkriminellen" Taten

Wien – Nach Meldungen über den mutmaßlichen Mord in Wien-Ottakring und über Vergewaltigungen im öffentlichen Raum wollen viele Menschen wissen, inwieweit es auf Österreichs Straßen gefährlicher geworden ist. Auf die polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2016 muss man aber noch warten: Im März wurde erst jene für das Vorjahr veröffentlicht. Über aktuelle Entwicklungen erstellt die Exekutive sogenannte Lagebilder. Wie diese derzeit aussehen, davon berichtete Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamts (BKA), vor kurzem der Austria Presse Agentur. Die Trendanalysen fußen laut BKA auf laufenden Eingaben der Polizei, denen zufolge die Zahl "kleinstkrimineller" Delikte angestiegen ist.

"Maßnahmenplan"

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat dann diese Woche Mittwoch beim Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, den Landespolizeidirektoren sowie dem Wiener Landespolizeipräsidenten und seinen Stellvertretern einen "Maßnahmenplan" zur Kriminalitätsbekämpfung in Auftrag gegeben. Bei einem Treffen dazu Mitte kommender Woche soll es nicht nur um den von Lang berichteten Anstieg von Raufereien und Körperverletzungen, "kleinen Messerstechereien" und Diebstählen im öffentlichen Raum sowie vom Besitz oder der Weitergabe von Drogen gehen. Thema sollen auch allgemein "fremde Tatverdächtige" sowie Sexualdelikte sein, hieß es am Freitag aus dem BKA. Sobotka hatte einen Schwerpunkt auf "Fremdenkriminalität" angekündigt.

Schwerwiegende Delikte: Kein Trend nach oben

Lang zufolge ist bei schwerwiegenden Delikten wie den eingangs erwähnten derzeit kein Trend nach oben erkennbar. Asylwerber finden sich laut Lang bei der ansteigenden "Kleinstkriminalität" sowohl als "Akteure als auch als Opfer" deutlich wieder. Besonders merkbar sei der Anstieg dieser Delikte seit Februar.

Kanzler Werner Faymann (SPÖ) will das Maßnahmenpaket unterstützen und teilte am Freitag mit, es gehe ihm auch um "konsequente Abschiebungen" von rechtskräftig abgelehnten Asylwerbern.

Tücken der Statistik

Zahlen über angestiegende Delikte gibt das BKA nicht heraus – mit Verweis darauf, dass diese noch einer Qualitätsüberprüfung unterzogen werden müssten, bevor sie Eingang in die Kriminalitätsstatistik finden. Auch die jährliche Kriminalitätsstatistik erfasst nicht alles: Dunkelziffern sowie die tatsächliche Zahl der Verurteilungen nach einer Anzeige fehlen auch darin. Einfluss nehmen auf die Daten auch Umweltfaktoren: Etwa dass die Zahl der Diebstähle in einem Bezirk steigt, wenn dort ein Einkaufszentrum eröffnet wird. Auch das Anzeigeverhalten der Bevölkerung, die polizeiliche Kontrollintensität und gesetzliche Änderungen beeinflussen die Statistik. (spri, 6.5.2016)

  • Die bei der Polizei eingegangen Anzeigen zeichnen erste "Lagebilder", welche Delikte ansteigen. Bevor sie in die Statistik einfließen, erfolgt eine Überprüfung.
    foto: apa/robert jäger

    Die bei der Polizei eingegangen Anzeigen zeichnen erste "Lagebilder", welche Delikte ansteigen. Bevor sie in die Statistik einfließen, erfolgt eine Überprüfung.

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