Wieso nennen wir Norbert nicht "Süßstoff"?

Kolumne6. Mai 2016, 16:00
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Plädoyer für Namenseinschübe

Elvis "the Pelvis" Presley, Cyrus "the Virus" Grissom, Hannibal "the Cannibal" Lecter, George "the Wappler" Bush: Wieso haben wir eigentlich in Österreich nicht so viele schöne Namenseinschübe wie die Amerikaner? Die Einschübe sind kurz, die Einschübe sind pfiffig, die Einschübe sind lustig, manchmal reimen sie sich sogar, und außerdem sind sie nützlich, weil sie schnell eine erste Orientierung über die Eigenheit des Namensträgers liefern.

Aus all diesen Gründen erlaubt sich der Krisenkolumnist, der Leserschaft heute Einschubvorschläge für drei markante Vertreter der österreichischen Politszene zu unterbreiten:

  • Werner "die Wetterfahne" Faymann: Als zunächst vehementer Vertreter einer Loch-auf-Politik und dann vehementer Vertreter des "Loch zu!" hat der charismatische Anführer der SPÖ gezeigt, dass er sich auf die Deutung politischer Witterungsverhältnisse ebenso versteht wie auf ideologische Versatilität. Das nutzt dem Machterhalt, beeinträchtigt aber die Glaubwürdigkeit. Zum Glück hat Faymann schon gezeigt, dass er auch treu sein kann: Gegen seine Dauerliebe zu Krone und Österreich sind Pech und Schwefel Waisenkinder.
  • Alexander "das Murmeltier" Van der Bellen: Dem grünen Professor traut man zwar zu, dass er jeden Staatsbesuch mit Bravour absolviert, allerdings nur dann, wenn er ihn nicht verschläft. Dabei ist die Aura von Somnolenz, die Van der Bellen umweht, dem Präsidentenamt durchaus angemessen, weil man sie gerne mit Feierlichkeit verwechselt. Eines muss allerdings klar sein: Präsident ist ein Job für alle vier Jahreszeiten. Ein Winterschlaf ist nicht drin.
  • Nobert "der Süßstoff" Hofer: Der blaue Bussibär ist seit Monaten damit beschäftigt, den Eindruck zu erwecken, dass er die österreichische Nation sogar anerkennen würde, wenn er ihr nur vorstehen darf, und im Grunde überhaupt ein ganz Lieber ist.

Statt Gift und Galle versprüht Hofer Assugrin und Stevia, was seinen Auftritten etwas dezidiert Siaßlertes gibt. Wenn der Mann tatsächlich Präsident wird, sollten sich die Diabetiker vor seiner Neujahrsansprache eine Extradosis Insulin spritzen. Aber wer weiß: Vielleicht werden wir uns alle noch wundern, und der Hofer ist weit weniger süß, als er nach außen hin tut. In diesem Fall wird der Krisenkolumnist dann gern mit einem neuen Namenseinschub zu Diensten sein. (Christoph Winder, Album, 6.5.2016)

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