Amphibienkiller hält in bisher verschonter Region Einzug

6. Mai 2016, 13:51
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Der Chytridpilz breitet sich in Kameruns Vulkanbergen aus, einem Hot-Spot der Artenvielfalt

Berlin – Der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) ist eine der Hauptursachen für das anhaltende globale Amphibiensterben. Der ursprünglich aus Afrika stammende Pilz, der vom Menschen weltweit verschleppt wurde, befällt die empfindliche Haut von Amphibien und macht deren Schutzfunktion zunichte.

Besonders in Australien und den Amerikas hat die Pilzepidemie schon verheerend gewütet. Nun berichtet das Berliner Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, dass auch eine bislang verschonte Region mittlerweile stark betroffen ist: die Vulkanberge im Westen Kameruns. Die Berliner Forscher Mareike Hirschfeld und Mark-Oliver Rödel berichten im Wissenschaftsjournal "PLoS ONE" von dramatischen Einbrüchen der dortigen Amphibienpopulationen.

Es ist der Pilz

Da die Forscher regelmäßig die Amphibienbestände in der Region untersuchen, können sie den Zeitpunkt des Amphibienschwundes exakt bestimmen. "Ab dem Jahr 2011 waren einige Froscharten am Manengouba plötzlich extrem selten, andere konnte ich überhaupt nicht mehr finden", berichtet Hirschfeld – das gelte auch für früher extrem häufige Spezies, ergänzt Rödel.

Anhand der Analyse von Hautabstrichen konnten die Forscher belegen, dass der Rückgang vieler Arten mit dem erstmaligen Auftreten des Chytridpilzes Hand in Hand ging. Das Muster der Rückgänge legt nahe, dass andere Faktoren wie in der Landwirtschaft eingesetzte Chemikalien oder der Verlust von Wäldern hier weniger ausschlaggebend waren.

Dass der Pilz in dieser Region Einzug gehalten hat, ist besonders folgenreich: Die Vulkanberge gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Viele Amphibienspezies leben nur hier und sind oftmals auf wenige Quadratkilometer beschränkt. Mit über 100 – teilweise noch wissenschaftlich unbeschriebenen – Froschspezies ist der Mount Manengouba besonders artenreich.

Gewinner und Verlierer

Im Artenreichtum liegt aber auch eine Chance: Während einige Froscharten fast oder ganz verschwunden sind, blieben andere mehr oder weniger gleich häufig. Einige wenige nahmen sogar an Zahl zu. Die Forscher vermuten, dass die einzelnen Arten von unterschiedlichen Substanzen auf der Haut geschützt werden – die, denen der Chytridpilz nichts anhaben kann, prosperieren daher.

Um das Überleben der Verlierer langfristig zu gewährleisten, fordern die Forscher den konsequenten Schutz des verbliebenen Lebensraums und regen an, die besonders gefährdeten und seltenen Arten zunächst über Zuchten in Gefangenschaft zu erhalten, um sie später wieder aussiedeln zu können. (red, 4. 5. 2016)

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