Gigantisches Schwarzes Loch bei Teleskop-Test erspäht

8. Mai 2016, 18:58
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ASKAP-Radioobservatorium im Westen Australiens findet Schwarzes Loch mit drei Milliarden Sonnenmassen

Perth – Einmal angenommen, man setzt eine neue Brille auf, blickt sich damit testweise um – und entdeckt plötzlich ein Monster in der Zimmerecke. So ähnlich muss es jenen Astronomen gegangen sein, die ihr nagelneues Radioobservatorium, den Australian Square Kilometre Array Pathfinder (ASKAP) in Westaustralien, auf eine Gruppe aus drei verschmelzenden Galaxien richteten. In diesem wirbelnden Chaos aus Gaswolken und Sternen in 1,8 Milliarden Lichtjahren Entfernung erspähten die Forscher ein gewaltiges Schwarzes Loch – und das obwohl ihre "Weltraumbrille" erst zum Teil fertiggestellt ist.

Mit seinen drei Milliarden Sonnenmassen ist es 750 Mal größer als das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße – und damit selbst unter den supermassiven Schwarzen Löchern ein Gigant. Lisa Harvey-Smith, wissenschaftliche Leiterin am ASKAP, und ihre Kollegen kamen dem Schwerkraftmonster auf die Spur, als sie den Telekopverband auf eine starken Radioquelle in der Galaxienkollision IRAS 20100-4156 richteten.

Rasante Gaswolken

Die in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" präsentierten Ergebnisse entlarvten Gaswolken, die sich mit über 600 Kilometer pro Sekunde durchs All bewegen, als Ursache für die Radiostrahlung. Wenn sich Gas so schnell bewegt, kann nur ein äußerst massives Objekt im Spiel sein – wie massereich das entsprechende Schwarze Loch ist, konnten die Forscher anhand der gemessenen Geschwindigkeit berechnen. Von einem Rekord ist es trotzdem noch ein gutes Stück entfernt: Das bisher größte bekannte Schwarze Loch besitzt 18 Milliarden Sonnenmassen und befindet sich im Quasar OJ 287.

Radioastronomen erhoffen sich noch zahlreiche weitere spannende Funde mit dem neuen ASKAP-Observatorium. Derzeit sind erst neun 12-Meter-Antennen im Einsatz. Der reguläre wissenschaftliche Betrieb startet mit 12 Schüsseln. Der Vollausbau soll 2018 abgeschlossen werden. Dann blicken voraussichtlich 36 Radioteleskope gemeinsam ins ferne All. (red, 8.5.2016)

  • Die größten supermassereichen Schwarzen Löcher entstehen, wenn mehrere Galaxien miteinander kollidieren.
    foto: nasa

    Die größten supermassereichen Schwarzen Löcher entstehen, wenn mehrere Galaxien miteinander kollidieren.

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