Langeweile im Job: Franzose klagt Arbeitgeber auf Schadenersatz

6. Mai 2016, 13:16
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Frédéric Desnard sagt die Langeweile habe ihn krank gemacht. Er will 358.000 Euro Schadenersatz

Vier Jahre lang ging Frédéric Desnard zu seiner Arbeit – die ihn nichts als langweilte. Das nutzlose herumsitzen habe ihn sogar krank gemacht: Der Franzose klagt über Magengeschwüre und einen epileptischen Anfall, er sei depressiv geworden. Deswegen will er nun 358.000 Euro von seinem Arbeitgeber, Interparfum, eine Pariser Firma, die Parfums konzipiert und vertreibt.

Diagnose Bore-out

Dass Langeweile im Job Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann, ist bekannt. Die Symptome sind beim so genannten Bore-Out oft gleich wie beim Burnout, nur werden sie nicht durch Stress, sondern durch Unterforderung hervorgerufen. Nicht nur zu wenige Aufgaben, sondern auch sinnlose Arbeiten oder das Entziehen von Verantwortung kann in einem Bore-out enden.

Ähnlich ist es Frédéric Desnard zufolge bei ihm abgelaufen: Der französischen Zeitung Le Monde sagt er, er habe viele Jahre als Facility Manager alle möglichen Aufgaben übernommen. 2010 sprang aber ein wichtiger Kunde der Firma ab und die Arbeitsmoral änderte sich schlagartig. "Jeder versuchte nur noch seinen Job zu retten", sagt Desnard. Viele seiner Vorgesetzten übernahmen Aufgaben aus Angst vor Jobverlust nun selber. Desnard sei nur 20-40 Minuten pro Tag effektiv beschäftigt gewesen, habe sich geschämt, aber aus Angst vor Arbeitslosigkeit nicht gekündigt.

Entscheidung im Juli

2014 hatte Desnard einen Autounfall, ausgelöst durch einen epileptischen Anfall am Steuer. Für Desnard steht fest, dass dieser Anfall nur durch die psychische Belastung am Arbeitsplatz passieren konnte. Nachdem er nach dem Unfall für mehrere Monate krank geschrieben war, wurde er entlassen. Desnard wollte das nicht auf sich sitzen lassen und suchte sich einen Anwalt. Der sagt nun, dass der Arbeitgeber Desnard entlassen habe, damit sie keine Entschädigung zahlen müssen. Der ehemalige Arbeitgeber weist die Vorwürfe zurück. Über Langeweile habe sich Desnard nie beklagt.

Im Juli entscheidet das Arbeitsgericht in dem Fall. Desnard ist klar, dass das Bore-out bisher nicht als Krankheit anerkannt wird. Er will deswegen ein Sprachrohr für diejenigen sein, die ebenfalls an Unterforderung am Arbeitsplatz leiden. Allerdings: Die beiden Parteien standen vor wenigen Monaten schon einmal vor Gericht. Interparfum hatte Desnard wegen Verleumdung angeklagt und Recht bekommen. Er musste 1000 Euro Strafe zahlen. (red, 6.5.2016)

  • Konstante Langeweile im Büro kann krank machen, Arbeitspsychologen nennen das Bore-out. Ob Frédéric Desnard von seinem ehemaligen Arbeitgeber deswegen Schadenersatz bekommt, wird im Juli entschieden.
    foto: istock

    Konstante Langeweile im Büro kann krank machen, Arbeitspsychologen nennen das Bore-out. Ob Frédéric Desnard von seinem ehemaligen Arbeitgeber deswegen Schadenersatz bekommt, wird im Juli entschieden.

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