Wieso ein Entwickler seine Wetter-App als pornografisch "tarnen" musste

17. Juni 2016, 12:51
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Unternehmen wie Apple und Facebook in Problemfällen oft schwer erreichbar

Die App Wetterfrosch tut das, was man von einer Wetter-App erwartet. Sie zeigt basierend auf dem eigenen Standort die Wetterprognose für den aktuellen Tag und die kommende Woche an. Und soll dabei mit Cartoon-Zeichnungen für gute Laune sorgen. Aufgrund eines Irrtums musste der deutsche Entwickler Marc Wäsche jedoch bei Apple angeben, dass die App unter anderem pornografische Inhalte verbreitet. Grund ist die schwierige Kommunikation mit Apple.

Versehentlich "Made for Kids" angegeben

Der Entwickler hatte bei der ersten Übermittlung der App-Datei im App Store versehentlich die Kategorie "Made for Kids" angegeben. Die Anwendung ist zwar harmlos, aber eben auch kein Programm, das speziell für Kinder gemacht wurde. Sie wurde im eigenen Bereich für Kinder-Apps gelistet.

Eine simple Änderung so eines Fehlers ist offenbar nicht möglich, wie der Entwickler auf seiner Facebook-Seite schildert. Bei einem erneuten Upload ohne Kategorisierung für Kinder wurde die App abgelehnt mit der Begründung, dass sie für Kinder ausgewiesen sei, es jedoch keine Bestätigung gebe, dass sie auch garantiert keine für Kinder ungeeigneten Inhalte aufweise. Apples Review-Team hat also komplett missverstanden, wo das Problem liegt. Versuche das Missverständnis aufzuklären scheiterten. Bei neuerlichen Upload-Versuchen kam die gleiche Begründung zurück.

Erst die falsche Angabe, dass die App unter anderem Live-Chats mit Pornostars biete, Drogen- und Alkoholkonsum befürworte und subversive Botschaften von Scientology verbreite, ließ Apple aufhorchen. "Ihre Argumente haben uns überzeugt und wir machen eine Ausnahme. Wir haben die App aus der Kinder-Kategorie entfernt", so die Antwort des Apple Review-Teams.

Unternehmen schwer zu erreichen

Der Vorfall wirkt amüsant, legt aber ein Problem offen, auf das nicht nur Entwickler, sondern auch Nutzer öfter stoßen. Die Kommunikation mit Firmen wie Apple kann sich im Fall eines Problems oft als Spießrutenlauf entpuppen. So wandte sich kürzlich ein Leser an den WebStandard, der ein Problem mit einem neu gekauften iPad Pro hatte, das kleine Mängel aufwies. Nach seiner Meldung beim Apple-Support bekam er die Zusicherung eine Reparaturbox für den Rückversand zugeschickt zu bekommen. Nur die kam nicht an und bei Nachfrage wurde ihm mitgeteilt, dass das neue Gerät im Rücksendesystem noch gar nicht vorhanden sei.

Nach mehreren Rückfragen wurde ihm mehrmals zugesagt, dass die Box zum Rückversand nun doch zugestellt werde – nach seiner Schilderung war das aber nicht der Fall. Apple hat selbst keine offiziellen Shops in Österreich. Bei einem Partner-Store wurde dem Kunden mitgeteilt, dass man dafür nicht zuständig sei, weil es sich nicht um einen Garantiefall handle.

Chatbots für Kundenkommunikation

Auf ähnliche Probleme stoßen auch immer wieder Facebook-Nutzer. Wird etwa ein Konto oder eine Seite gesperrt, ist es nur sehr schwierig für die Betroffenen Kontakt zum Netzwerk aufzunehmen. Etwa, wenn man der Meinung ist, dass die Sperre aufgrund eines Irrtums erfolgt ist. Oft werden Anfragen und Probleme über Formulare abgewickelt. Einen echten Menschen ans Telefon zu bekommen, ist schwierig. Die großen IT-Konzerne wie Facebook und Microsoft arbeiten indes an Chatbots, die Kommunikation mit Kunden weiter automatisiert. Ob es damit leichter wird, Probleme abseits der üblichen rasch zu lösen, ist fraglich. (br, 17.6.2016)

  • Keine Kinder-App, aber auch keine Porno-App. Ein deutscher Entwickler musste kreativ werden, um einen Fehler bei Apple auszubessern.
    foto: entwickler

    Keine Kinder-App, aber auch keine Porno-App. Ein deutscher Entwickler musste kreativ werden, um einen Fehler bei Apple auszubessern.

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