122 GB Musik gelöscht: Komponist übt harsche Kritik an Apple Music

6. Mai 2016, 10:39
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"Hat meine Musik gestohlen" – Daten nur durch Backup gerettet, möglicherweise ein Bedienfehler

Es sind schwere Vorwürfe, die der Musiker James Pinkstone gegenüber Apple erhebt. Der Musikstreaming-Service Apple Music hat seinen Angaben nach seine Musiksammlung hochgeladen und anschließend gelöscht. Darunter befanden sich auch viele Eigenkompositionen im WAV-Format.

"Apple hat meine Musik geklaut", beklagt sich Pinkstone in einem Blogeintrag auf der Seite des kreativen Kollektivs Vellum Atlanta. Das Löschen der Dateien sei ohne seine Einwilligung erfolgt, ohne dass Apple eine Lösung zur Wiederherstellung geboten hätte. Das Musikarchiv war 122 GB groß. Letztlich musste er auf ein mehrere Wochen altes, lokales Backup zurückgreifen.

Kaputte Algorithmen, unwissende Mitarbeiter

Mehrere Kritikpunkte bringt der Betroffene gegen Apples Dienst aufs Tapet. Ohne Internetzugriff sei es ihm aufgrund dieser Vorgangsweise nicht möglich, seine eigene Musik anzuhören. Die hochgeladene Musik könne zwar wieder heruntergeladen werden, das würde aufgrund der Geschwindigkeit der Apple-Server jedoch rund dreißig Stunden dauern.

Zudem würde er nicht unbedingt die Musik zurückbekommen, die ihm zuvor von seiner Festplatte "geklaut" worden ist. Denn Apple Music konvertiert die Songs vor dem Speichern in der Cloud ins AAC-Format. Pinkstone hatte jedoch viele Werke in besserer Qualität als WAV-Dateien vorliegen. Außerdem würden oft seltene Versionen von verschiedenen Songs verloren gehen, weil sie der automatische Datenbankabgleich von Apple Music mit verbreiteteren Varianten ersetzt.

Hinzu komme, dass die Supportmitarbeiter von Apple oft selbst keine Ahnung von Apple Music hätten. In den Nutzungsbedingungen spricht sich der Konzern wiederum davon frei, für irgendwelche Schäden, die durch die Verwendung von Apple Music entstehen, haften zu müssen.

Warnung

"Seit circa zehn Jahren warne ich die Leute. ‚Behaltet eure Medien, eines Tages werdet ihr keinen Film kaufen, sondern nur das Recht, einen Film zu sehen‘", so der Musiker weiter. "Sie werden euch dauerhaft für Dinge zahlen lassen, die ihr damals noch kaufen konntet. Selbst eure eigenen Informationen werden nur über Gebühren zugänglich sein." Apple Music sei aber noch schlimmer als das. Denn wenn etwa Netflix einen Film nicht im Programm hat, käme zumindest niemand vorbei, um auch noch die DVD zu stehlen.

Bedienfehler möglich

Pinkstones Beitrag zieht seitdem seine Kreise in den sozialen Medien, etwa auf Twitter unter dem Hashtag #AppleStoleMyMusic. Einige Leute berichten von ähnlichen Erlebnissen, andere verneinen das Problem. Einige Beschwerden gibt es über die komplizierte Handhabe von Apple Music. Genau dieser Punkt könnte aber der eigentliche Grund für das Dilemma sein.

Wie Serenity Caldwell auf iMore erklärt. Ist Apple Music eigentlich nicht standardmäßig darauf konfiguriert, lokale Musikdateien nach dem Scannen zu löschen. Allerdings gilt es, zwischen dem eigenen primären Mac-Rechner und allen weiteren Geräten zu unterscheiden. Auf dem Hauptgerät scannt Apple Music die vorhandene Musik und lädt alles hoch, was der Dienst nicht selber bereits im Repertoire hat. Danach verfügt der Nutzer über eine Musikbibliothek in der iCloud und seine lokale Sammlung.

Verwirrende Dialoge

Auf dem Erstrechner sollte Apple Music niemals Musik ohne Wissen des Nutzers löschen oder mit proprietären Kopien ersetzen. Auf Zweitgeräten, also weiteren Macs, iPads oder iPhones liefert der Dienst sie allerdings per Stream aus. Die Musik lässt sich zwar auch dort herunterladen, es kann allerdings sein, dass sie gelöscht wird, wenn der Gerätespeicher knapp wird.

Apple Music bietet außerdem an, dass man Songs aus der iCloud herunterlädt, wenn man die eigenen lokalen Kopien gelöscht hat. Caldwell vermutet, dass Pinkstone hier möglicherweise ein Versehen unterlaufen ist.

Löscht man ein Lied aus der iTunes-Bibliothek, bietet ein Warnfenster zwei Varianten an. Die Option zum Löschen des Downloads verschiebt das Lied in den Papierkorb. Es bleibt allerdings in der Bibliothek und wird fortan von Apples Servern gestreamt. So lässt sich Platz freischaufeln. Endgültig entfernt wird die jeweilige Datei aber erst, wenn man den digitalen Papierkorb entleert.

Backup immer empfohlen

Songs löschen sollte man allerdings prinzipiell nur auf sekundären Geräten, niemals am Hauptgerät. Denn ist ein Lied einmal weg, ist man Apple Music und seinen fehlerhaften Abgleichalgorithmen ausgeliefert. Zudem steht die Musikbibliothek in der iCloud auch nur bei einem laufenden Abo für den Dienst zur Verfügung.

Die problematische Situation dürfte also eine Mischung aus Eigenverschulden, verwirrendem Interface und unausgereiften Apple-Algorithmen sein. Und weil Apple Music "längst nicht perfekt" sei, ist es umso wichtiger, Backups anzulegen. Dazu ist auch nicht auszuschließen, dass Pinkstones Musik durch einen Programmfehler von iTunes gelöscht wurde. Eine entsprechende Anfrage von iMore hat Apple bislang aber noch nicht beantwortet. (gpi, 06.05.2016)

  • Selbst wenn Pinkstones Erlebnis auf einen Bedienfehler zurückgeht, bleiben die Beschwerden über mangelnde Benutzerfreundlichkeit und fehlerhafte Algorithmen bei Apple Music.

    Selbst wenn Pinkstones Erlebnis auf einen Bedienfehler zurückgeht, bleiben die Beschwerden über mangelnde Benutzerfreundlichkeit und fehlerhafte Algorithmen bei Apple Music.

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