Künftig Nockalm Quintett statt Surf-Weltcup in Podersdorf

5. Mai 2016, 17:44
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1998 stieg der erste Surf-Weltcup in Podersdorf, 2016 wird Abschied gefeiert. Am ersten Wochenende kamen auch ohne Wind 45.000 Menschen zur Party

Podersdorf – Wenn die Windräder bewegungslos dastehen, können auch die Kitesurfer brausen gehen. So passiert am vergangenen Wochenende, als sich die Kitesurfer anschickten, das Summer Opening in Podersdorf am Neusiedler See inklusive Surf-Weltcup zu eröffnen. "Es war ein bissl traurig", sagt Mike Piechura, Organisator des Events. Die bunten Lenkdrachen mussten verstaut bleiben, und das just zur Abschiedssause der Veranstaltung im 2000-Einwohner-Ort. Traurigkeit war Piechura freilich keineswegs anzumerken. "Die Partys waren voll." Auch ohne Kitesurfer im Wasser kamen am vergangenen Wochenende rund 45.000 Menschen.

Bis Sonntag steigt noch Teil zwei der Abschiedsveranstaltung. Die Windsurfer der Professional Windsurfers Association (PWA) hatten beim Freestyle-Weltcup mehr Glück: Am Mittwoch und Donnerstag hat der Wind laut Piechura "gepusht" und "geballert".

Sieg für "Gollito" Estredo

Den Sieg holte sich Szenestar Jose "Gollito" Estredo, der Surfprofi aus Venezuela ist sechsfacher Weltmeister. Lokalmatador Max Matissek aus Weiden am See musste sich früh geschlagen geben. Im "Tow-In"-Bewerb – wo die Surfer mittels Jetski auf rund 50 km/h beschleunigt werden, um danach ihre Freestyle-Tricks zu zeigen – kann Matissek in den kommenden Tagen aber noch auf einen Spitzenplatz hoffen.

Am Sonntag ist dann nach 22 Jahren Summer Opening und 18 Jahren Surf-Weltcup Schluss mit dem Event in Podersdorf. Piechura sieht das "mit einem Lächeln. Wir sagen zum Abschied ganz laut 'Pfiat eich'." Das Aus wurde nach Unstimmigkeiten mit dem örtlichen Tourismusverband, der die hohen Investitionen in den Surf-Weltcup kritisierte, vor einem Jahr ruchbar. Im Oktober 2015 wurde nach letzten Verhandlungsrunden verkündet, den Vertrag mit dem Veranstalter nicht mehr zu verlängern.

Andere Zielgruppe angepeilt

Podersdorf peilt künftig statt des Partyvolks beim Surf-Weltcup eher eine andere Zielgruppe an: Am 4. Juni kommt Herbert Grönemeyer für ein Konzert in die Marktgemeinde – gefolgt von Nockalm Quintett und Seer. Für die Surfsportler selbst wird aber investiert: Der Nordstrand wird zum Kite- und Windsurfzentrum umgebaut, der Südstrand ist künftig für Boote reserviert.

Piechura sieht die Entscheidung für das Aus pragmatisch: "Podersdorf ist meine Ex, nachtrauern bringt nichts. Nächstes Jahr sieht man sich eben woanders am Neusiedler See."

Umsiedlung nach Neusiedl im Gespräch

Der Surf-Weltcup soll jedenfalls auch 2017 im Burgenland stattfinden. Die Verhandlungen mit der nur wenige Kilometer weiter nördlich gelegenen Stadt Neusiedl am See laufen auf Hochtouren. "Unterschrieben ist noch nichts. Aber es sieht sehr gut aus", sagt Piechura dem STANDARD. Das bestätigte auch Bürgermeister Kurt Lentsch (ÖVP). "Neusiedl ist interessiert. Es gibt aber sicher noch mehrere Gesprächsrunden."

Vertrag mit Windsurf-Weltcup bleibt

Der Vertrag mit der PWA bleibt laut Piechura bestehen. Alle Partner der Veranstaltung würden den Umzug mitmachen. Und der Event würde weiter den Zeitgeist ansprechen. "Der Vorverkauf in diesem Jahr brachte uns das bisher beste Ergebnis."

Die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand sei "nicht das große Thema", sagt Piechura. Schon zuletzt habe man in Podersdorf mehr Geld über private Partner auftreiben müssen. Themen wie Lärm, Müll oder die Parkplatzproblematik gelte es aber im Vorfeld genau abzuklären. "Diese Ängste muss man auch den Neusiedlern nehmen. Schließlich kommen da 90.000 Menschen innerhalb von zwei Wochenenden in die Ortschaft." (David Krutzler, 5.5.2016)

  • Der sechsfache Windsurf-Weltmeister Jose "Gollito" Estredo holte sich am Donnerstag den Sieg beim allerletzten Freestyle-Weltcup im burgenländischen Podersdorf.
    foto: carter/pwa world tour

    Der sechsfache Windsurf-Weltmeister Jose "Gollito" Estredo holte sich am Donnerstag den Sieg beim allerletzten Freestyle-Weltcup im burgenländischen Podersdorf.

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