Syrien bleibt weltweit der blutigste Konflikt

5. Mai 2016, 17:15
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Ein Drittel aller Kriegstoten des Jahres 2015 wurde in Syrien registriert

Der Bürgerkrieg in Syrien hat für die einheimische Bevölkerung nichts von seinem Schrecken verloren. Nach Schätzungen des Londoner Strategie-Instituts IISS kamen dort im vergangenen Jahr rund 55.000 Menschen ums Leben – ein Drittel der weltweiten Opferzahl von 167.000. Eine Lösung des Konflikts sei auch weiterhin nicht in Sicht, glauben die IISS-Experten. Ohnehin bleibe der Nahe Osten eine Region von destruktiver Komplexität, sagte Professor Lawrence Freedman am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahrbuchs Armed Conflict Survey (ACS) in London: "Es gibt viel weniger Zuversicht, dass Kampfeinsätze als politische Lösung taugen. Diese Skepsis ist zutreffend."

Während die weltweiten Todesopfer leicht rückläufig sind, stagniert die Zahl der bewaffneten Konflikte. Für die Zusammenstellung der Daten verlassen sich die Londoner Trans atlantiker auf Angaben staatlicher Behörden, aber auch viele unabhängige Organisationen. Ihr Team gehe dabei sehr konservativ vor, erläuterte die ACS-Herausgeberin Anastasia Woronkowa. "Wahrscheinlich liegen wir eher zu niedrig."

Nahe Osten besonders schwierige Region

Ein Trend für 2015: die Rückkehr staatlicher Machtdemonstration. In vielen Konflikten seien Regierungen gegen Rebellen oder Terrorgruppen offensiv geworden und hätten "gegen erheblichen Widerstand Territorium zurückerobert", sagte IISS-Direktor John Chipman. In Nigeria kontrolliert die Regierung mithilfe westafrikanischer Truppen wieder all jene Städte, die in jüngster Zeit an die Islamistengruppe Boko Haram gefallen waren.

Im Irak verdrängten Regierungstruppen mit iranischer Hilfe die Terrortruppe IS aus Tikrit. Mithilfe seiner Verbündeten aus dem Iran und Russland holte sich der syrische Präsident Bashar al-Assad rund 10.000 Quadratkilometer Territorium zurück.

Die Sicherheitslage weltweit beurteilt das IISS als "derzeit vielleicht so schwierig wie seit den späten 1980er-Jahren nicht mehr", nicht zuletzt wegen der wenig erfreulichen Aussichten für Syrien und die angrenzende Region. Die dort spürbare Ratlosigkeit beschränke sich nicht auf die USA und deren westliche Verbündete. "Auch für regionale Mächte stellt der Nahe Osten eine besonders schwierige Region dar, die richtige politische Antwort zu finden", analysiert Freedman. Statt sich zu rasch auf militärische Abenteuer einzulassen, werde jetzt eine Strategie nach dem Motto "Abwarten – Eindämmen – Managen" großgeschrieben.

Starker Anstieg in Afghanistan

Auffällig in der düsteren ACS-Statistik ist der starke Zuwachs an Opfern in Afghanistan. Wurden dort 2013 rund 3500 Tote gezählt, waren es im vergangenen Jahr 15.000. Der frühere britische Brigadegeneral Ben Barry führt dies indirekt auf den Rückzug der Nato-Truppen zurück. Diese hätten in den letzten Jahren ihres Einsatzes mit hoher Zurückhaltung agiert und sich vor allem auf die Unterstützung aus der Luft verlassen. Diese steht nun dem afghanischen Militär nur eingeschränkt zur Verfügung. "Stattdessen setzen sie Waffengewalt freizügiger ein", wodurch mehr Zivilisten getötet werden.

Barry wies auch auf neue Offensiven der afghanischen Armee gegen die Taliban in Helmand und Kunduz sowie gegen IS-Kämpfer in Nangarhar hin. Dort haben sich seit Anfang 2015 zwischen 1000 und 3000 Islamisten eingefunden, um die Regierung in Kabul zu bekämpfen. Die USA hat deshalb ihre Antiterror-Einheit am Hindukusch verstärkt. (Sebastian Borger aus London, 5.5.2016)

  • Die Friedenspläne der internationalen Diplomatie (im Bild Unterlagen für die Syrien-Gespräche in den Händen des  Uno-Gesandten Staffan de Mistura) waren zuletzt ohne große Wirkung. Vor allem die Konflikte in Syrien, Afghanistan und im Irak toben weiter.
    foto: foto:_afp / adam berry

    Die Friedenspläne der internationalen Diplomatie (im Bild Unterlagen für die Syrien-Gespräche in den Händen des Uno-Gesandten Staffan de Mistura) waren zuletzt ohne große Wirkung. Vor allem die Konflikte in Syrien, Afghanistan und im Irak toben weiter.

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