Tschechien: Islamgegner wollen AfD-ähnliche Partei gründen

5. Mai 2016, 17:03
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"Alternative für Tschechien" soll schon bei der Parlamentswahl 2017 antreten

Prag/Wien – Der Chef des tschechischen "Blocks gegen den Islam", Martin Konvička, möchte eine eigene Partei gründen und mit ihr bei den Parlamentswahlen im Jahr 2017 antreten. Als möglicher Name der neuen Gruppierung gilt – in Anlehnung an die deutsche AfD – "Alternativa pro Česko" (Alternative für Tschechien).

Konvička kündigte an, eng mit der AfD zusammenarbeiten zu wollen. Damit zog er sich den Unmut von Expräsident Václav Klaus zu, der sich als "Fan der AfD" bezeichnet und am Wochenende auf deren Parteitag in Stuttgart einen umjubelten Auftritt hatte.

Der wirtschaftsliberale Ökonom Klaus hatte sich zuletzt immer mehr zum rechten Vorkämpfer der europäischen EU-Kritiker entwickelt. Mit dem Insektenforscher Konvička, der erst kürzlich über den Antiislamismus den Einstieg in die Politik fand, will er aber nichts zu tun haben. Es wäre "furchtbar schade", wenn Konvička die "Alternative für Tschechien" gründen würde, so Klaus.

Nationales Lager gespalten

Bereits zuvor hatte sich der Expräsident beklagt, sein ehemaliger politischer Ziehsohn, der EU-Abgeordnete Petr Mach, habe den Namen "Partei der freien Bürger" gestohlen. Einen ähnlichen Namen trägt im Tschechischen die FPÖ. Aus Klaus' Wortmeldungen geht jedoch hervor, dass er nicht die FPÖ als Opfer des "Diebstahls" sieht, sondern eigene – oder ihm genehme – politische Ambitionen.

Die politische Repräsentanz des nationalen und islamfeindlichen Lagers ist in Tschechien traditionell gespalten. Erst vor kurzem hatte Konvičkas "Block gegen den Islam" nach persönlichen Querelen sein Bündnis mit der nationalistischen Parlamentspartei Úsvit aufgelöst. Deren Gründer hatte sich zuvor ebenfalls mit anderen Mitgliedern überworfen und eine weitere Partei gegründet. (Gerald Schubert, 5.5.2016)

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