OeNB ist gegen Abschaffung des 500ers: "Bargeld ist sehr sexy"

5. Mai 2016, 15:49
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Zweifel, ob Abschaffung zur Kriminalitätsbekämpfung beiträgt – Notenbanker Yves Mersch würdigt Geldscheine als "gedruckte Privatsphäre"

Wien/Frankfurt – Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) war und ist gegen die Abschaffung des 500-Euro-Scheins, bekräftigte Notenbankdirektor Kurt Pribil am Mittwoch in der "ZiB 2" des ORF. Dies verunsichere die Bürger. Zudem habe man in der Nationalbank "überhaupt keinen Hinweis", dass die Abschaffung die Kriminalität eindämmen werde.

"Wir sehen da andere Instrumente, die hier eingesetzt werden können", etwa die verschiedenen Geldwäscherichtlinien, so Pribil. Dabei gehe es darum, die Identität des Letztbegünstigten zu erfragen oder bei Einzahlungen auf ein Sparbuch oder Sparkonto klar zu wissen, wer das Geld eingezahlt hat und woher es kommt. "Das sehen wir als wichtiges Instrument, die Abschaffung des Fünfhunderters bringt da nichts."

Dem Argument, dass die Abschaffung des 500-Euro-Scheins der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Durchsetzung von Negativzinsen hilft, kann Pribil nichts abgewinnen. Es gebe ja noch andere Geldscheine, und die EZB habe definitiv erklärt, dass sie nicht beabsichtige, Bargeld abzuschaffen.

Auch der OeNB-Direktor sieht dafür "überhaupt keinen Ansatz" – "nicht jetzt, nicht in naher Zukunft, und wenn Sie mich fragen, auch nicht in ferner Zukunft". Bargeld sei sehr beliebt, so sei der Bargeldumlauf von 2015 auf 2016 um ganze 6,5 Prozent gestiegen. Vorigen Monat habe der Euro-Bargeldumlauf die Höhe von 1.100 Milliarden erreicht. "Bargeld ist sehr angesehen, auch sehr sexy", konstatiert Pribil.

"Bargeld bleibt"

So erklärte EZB-Vertreter Yves Mersch, es drohe nach der Abschaffung des 500ers keineswegs die Abschaffung des Bargeldes. "Wer nun glaubt, dass die Eurozone sich vom Bargeld verabschiedet, irrt", schrieb Mersch, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), in einem Beitrag für "Spiegel online".

Für viele Bürger symbolisiere Bargeld nicht nur Kaufkraft, sondern stelle "gedruckte Privatsphäre" dar. Bargeld per se abzuschaffen stehe nicht auf der Tagesordnung, schrieb Mersch. Die Entscheidung gegen den 500-Euro-Schein sei "in einem Umfeld gefällt worden, in dem Bargeld per se kritisch hinterfragt wird". Die Argumente der Bargeldgegner könnten jedoch nicht überzeugen. Die Logik, ohne Bargeld könnte die Zentralbank mit immer niedrigeren negativen Zinsen die Wirtschaft zusätzlich stimulieren, greife zu kurz. Sie ignoriere zum einen die Nebenwirkungen exzessiv negativer Zinsen: "Bereits jetzt klagen Banken, Geldmarktfonds und Versicherer über den Druck auf Margen sowie ganze Geschäftsmodelle."

"Menschen reagieren nicht immer linear"

Zum zweiten werde die Effektivität negativer Zinsen womöglich überschätzt. "Eine Wirkung im Sinne von 'mehr hilft mehr' ist keinesfalls gegeben." Menschen reagierten nicht immer linear auf veränderte Rahmenbedingungen, schrieb Mersch. Sie können ihr Verhalten anpassen. "Wenn etwa Sparer fürchten, ihr Geldvermögen werde immer mehr belastet, nimmt ihre Sparneigung womöglich zu statt ab, weil sie so das gleiche Niveau an Alterssicherung zu erreichen suchen."

Mersch verwies darauf, dass eine "Finanz-Tech-Allianz" Interesse an einer Abschaffung des Bargeldes habe: Für die Kreditwirtschaft stellten Lagerung, Bearbeitung, Transport, Ausgabe am Schalter oder Automaten vor allem immense Kostenblöcke dar, schrieb er. "In Zeiten niedriger Margen würde sie gerne darauf verzichten." Es sei also kein Wunder, dass Vorschläge, Bargeld komplett abzuschaffen, vor allem von Bankern oder bankfinanzierten Ökonomen stammen – "wenn auch gerne in akademischer Garderobe gekleidet".

Keine Änderung für Bürger

Durch den gestrigen Entscheid der EZB, die Ausgabe der größten Euro-Banknote Ende 2018 einzustellen, ändere sich für die Bürger erst einmal gar nichts. Der 500-Euro-Schein bleibe weiterhin gültiges Zahlungsmittel. Wichtig sei auch, dass der Fünfhunderter bei der Oesterreichischen Nationalbank zeitlich unbegrenzt eingetauscht werden könne.

Österreicher lieben Bares

Laut einer Umfrage für die Erste Bank unter 1.000 Menschen glauben 69 Prozent, dass sie in Zukunft beim Bezahlen in Geschäften weiterhin hauptsächlich Bargeld verwenden werden. 55 Prozent sagten, dass verstärkt Bankomat- oder Kreditkarte zum Einsatz kommen werde. Mehr mit dem Handy zu bezahlen, können sich nur 5 Prozent vorstellen.

Die Sparlust indes hat im ersten Quartal 2016 wieder zugenommen. Im Schnitt haben die im Februar/März Befragten 5.500 Euro zur Seite gelegt, 1.000 Euro mehr als im Vorjahresquartal. "Das heißt nicht, dass die Menschen mehr zum Sparen zur Verfügung haben. Aber es scheint, als ob viele Geld parken und jetzt überlegen, wie sie es anlegen sollen", so Erste-Bank-Privatkundenvorstand Thomas Schaufler am Donnerstag in einer Aussendung. (APA, 5.5.2016)

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