Software-Fehler wurde Röntgenteleskop Hitomi zum Verhängnis

5. Mai 2016, 12:23
64 Postings

Falscher Steuerbefehl ließ 250 Millionen Euro teures Observatorium auseinanderbrechen

Am 17. Februar schickte die japanische Raumfahrtbehörde JAXA gemeinsam mit der Nasa einen Forschungsatelliten in die Erdumlaufbahn, von dem sich Wissenschafter große Fortschritte in der Röntgenastronomie versprechen. Die Flaggschiff-Mission Hitomi wurde mit sechs hochpräzisen Instrumenten ausgestattet, die ein breites Energiespektrum von weichen Röntgen- bis zu Gammastrahlen erfassen können und unter anderem neue Erkenntnisse über Schwarze Löcher und Neutronensterne bringen sollten. Allein, es hat nicht sollen sein: Nach einer ersten Testphase im Orbit herrschte am 26. März plötzlich Funkstille im All. Kurz darauf erspäten die Missionsbetreiber Trümmer rund um Hitomi.

Zunächst herrsche Ratlosigkeit darüber, was geschehen ist. Klar war nur, dass das 250 Millionen Euro teure Observatorium offenbar ins Trudeln geraten war und schnell um die eigene Achse rotierte. Nun haben weitere Analysen das Rätsel gelöst: Wie Projektmitarbeiter der JAXA berichten, dürfte ein einzelner fataler Softwarebefehl Schuld an der Misere sein.

Beschleunigte Rotation

Eine Fehlfunktion jenes Gerätes, das Hitomi Informationen über seine Lage im All liefert, führte dazu, dass die Software irrtümlich annahm, der Satellit würde rotieren. Um diese vermeintliche Drehung zu stoppen, gab das System den Steuerdüsen den Befehl zu feuern, was Hitomi erst recht in eine beschleunigte Rotation versetzte. Schließlich siegten die Fliehkräfte und einige Teile des Satelliten, darunter beide Solarpanele, brachen ab.

Seither kreist das schwer beschädigte Observatorium funktionslos im All. Am 28. April erklärte die Jaxa die Mission offiziell für gescheitert. Immerhin gelang Hitomi vor seinem Totalausfall eine einzige astronomische Beobachtung. Dabei fing der Satellit mit einem hochauflösenden Spektrometer Gasbewegungen in einem 250 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxienhaufen im Sternbild Perseus ein. Die Ergebnisse könnten dabei helfen, die Masseveränderungen von Galaxien-Clustern einzuschätzen. (red, 5.5.2016)

  • Das Röntgenobservatorium ist unrettbar verloren. Ein Softwarefehler sorgte für seinen Untergang.
    illu.: jaxa

    Das Röntgenobservatorium ist unrettbar verloren. Ein Softwarefehler sorgte für seinen Untergang.

  • Die Aufnahmen des Subaru-Teleskops auf dem Mauna-Kea-Observatorium (Hawaii) zeigt die Überreste des Hiromi-Satelliten.
    foto: jaxa

    Die Aufnahmen des Subaru-Teleskops auf dem Mauna-Kea-Observatorium (Hawaii) zeigt die Überreste des Hiromi-Satelliten.

Share if you care.