Vier Wochen Stichwahlkampf: Bitte erspart uns das in Zukunft!

Blog7. Mai 2016, 10:00
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Kein Mensch braucht vier Wochen, um sich zwischen Van der Bellen und Hofer zu entscheiden

Zwei Wochen haben wir schon geschafft. Und was für zwei Wochen! Langweilige, vor allem. Zwei davon kommen noch, bis wir endlich wissen, wer der nächste Bundespräsident wird. Ganz ehrlich: Vier Wochen Abstand zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang sind zu viel. Und das nicht nur aus Sicht all jener, die Sendeminuten, Papier oder das Internet zu füllen haben.

Das lässt sich ja – zum Glück, würden manche sagen – mit den Nachwehen der ersten Runde der Präsidentschaftswahl bewerkstelligen: Personaldebatte in der SPÖ, lautes Schweigen in der ÖVP, Irmgard Griss will etwas machen, weiß nur noch nicht genau, was eigentlich. Das interessiert die Leute, darüber kann man berichten. Nur von Richard Lugner hört man nichts mehr. Zum Glück, würden manche sagen.

Aber das fällt alles nicht in die Kategorie Präsidentschaftswahlkampf. Die Sache ist die: Es ist alles gesagt. Die Wählerinnen und Wähler wissen, wofür Alexander Van der Bellen steht, sie wissen, wofür Norbert Hofer steht. Der Wahlkampf liegt irgendwie auf Eis, es werden Scheindebatten über Plakatständer geführt oder sehr theoretische Fantasiefragen gestellt.

Ein kürzerer Stichwahlkampf würde nicht schaden

Das führt alles nicht zu qualifizierteren Wahlentscheidungen. Wer sich jetzt noch nicht zwischen Hofer und Van der Bellen entschieden hat, tut das auch nicht nach der Frage, welcher der Kandidaten Christian Kern als Bundeskanzler angeloben würde. Niemand braucht vier Wochen, um sich zwischen Hofer und Van der Bellen zu entscheiden. Die wenigsten brauchen mehr als eine Minute.

Das gilt nicht nur für die konkrete Stichwahl 2016. Auch bei jeder anderen Konstellation hätten die Kandidatinnen und Kandidaten schon vor dem ersten Wahlgang ausreichend Gelegenheit gehabt, sich zu positionieren.

Es würde niemandem schaden, den Abstand zwischen den Wahlgängen auf zwei oder vielleicht sogar nur eine Woche zu verkürzen. Vielleicht will sich ja der nächste Bundespräsident dafür einsetzen. Das könnte man die Kandidaten durchaus fragen. Zeit haben wir ja dafür. (Sebastian Fellner, 7.5.2016)

  • Diese Katze wurde 2010 von ihrer Besitzerin ins Wahllokal in Weißrussland mitgenommen. Und sie hat wahrscheinlich dafür gesorgt, dass Sie diesen Artikel angeklickt haben.
    foto: reuters

    Diese Katze wurde 2010 von ihrer Besitzerin ins Wahllokal in Weißrussland mitgenommen. Und sie hat wahrscheinlich dafür gesorgt, dass Sie diesen Artikel angeklickt haben.

  • Wale und Waliser: Überlange Wahlkampfzeiten führen auch zu Verzweiflungstaten in der Artikelillustration.
    fotos: ap, richard shotwell/invision/ap

    Wale und Waliser: Überlange Wahlkampfzeiten führen auch zu Verzweiflungstaten in der Artikelillustration.

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