Hürden beim selbstbestimmten Wohnen von Beeinträchtigten

4. Mai 2016, 15:29
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In Österreich herrscht Aufholbedarf wenn es um die Wohnsituation von jungen Menschen mit Behinderung geht. Mangels Alternativen müssen manche in Seniorenheimen leben

Die freie Wahl der eigenen vier Wände gilt auch für die meisten Menschen mit Behinderung als eine Grundvoraussetzung für Lebensqualität. Ihr Zuhause soll Privat- und Intimsphäre dienen, persönliche Entfaltung und Rückzug ermöglichen und einen individuellen Dreh- und Angelpunkt darstellen. Dabei gelte es, Grundvoraussetzungen zu schaffen – etwa Barrierefreiheit schon bei der Planung zu berücksichtigen -, aber auch individuelle Angebote wie speziell angepasste Teilbetreuung auszuarbeiten.

Anlässlich des europäischen Protesttags der Gleichstellung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung am 5. Mai sind auch in Österreich Forderungen nach Verbesserungen laut geworden. Nicht zuletzt im Bereich Wohnen bestehe Aufholbedarf. Lücken müssten unter Einbindung von Betroffenen geschlossen werden, fordert etwa die Lebenshilfe.

Kaum Plätze vorhanden

Welche Möglichkeiten es bei der Ausgestaltung gibt, liegt nicht zuletzt am Heimatort. Bundesweit sind die Angebote recht unterschiedlich, nicht selten finden ohne Rücksicht auf familiäre Strukturen oder Präferenzen Zuweisungen statt. In Oberösterreich etwa sind die meisten Eltern froh, wenn sie überhaupt einen Platz für ihr Kind finden, kritisierte Bundesbehindertenanwalt Erwin Buchinger.

Auf individuelle Bedürfnisse und Präferenzen könne in derartigen Fällen nicht eingegangen werden. Ebenso wenig eine ideale Lösung: Mehrere Hundert junge behinderte Menschen leben in Seniorenheimen, weil für sie keine andere passende Unterbringung gefunden werden konnte. Laut Manfred Pallinger vom Sozialministerium nähere man sich der Schaffung bundeseinheitlicher Standards in Sachen Inklusion. Konkret formuliert sind diese nicht.

Unter dem Motto "Wohnen wie du und ich – Raus in die Nachbarschaft" wurden die bundesweit höchst unterschiedlichen Angebote und Regelungen thematisiert und konkrete Ideen diskutiert. Der Trend gehe zwar hin zu weniger Großinstitutionen mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung, die Balance zwischen Selbstbestimmung und Unterstützung stimme aber oft nicht. (APA, 4.5.2016)

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