Das sind die unbeliebtesten Reiseziele der Welt

11. Mai 2016, 05:30
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In welchem Land trifft man garantiert kaum auf Touristen? Eine Statistik der Weltbank gibt darüber Auskunft

Abseits der touristischen Pfade zu wandeln, "authentische" Erfahrungen sammeln, einsame Strände nur für sich allein: Das sind die Wünsche vieler Individualreisender. Doch in vielen Weltgegenden bleiben diese unerfüllt. Wohin kann man also noch reisen, ohne dass man auf andere Touristen trifft?

Eine Antwort darauf kann eine Statistik der Weltbank geben, wie die Datenjunkies der Plattform Priceonomics darlegen. Denn die Weltbank erhebt unter anderem die Touristenzahlen ("tourist visits") aller Länder.

Die Analysten von Priceonomics haben diese Daten genommen und mit den Einwohnerzahlen ins Verhältnis gesetzt (Die aktuellsten Zahlen sind von 2014). Es zeigt sich, dass zum Beispiel in Moldau ein Tourist auf 323 Einheimische kommt, in Traumzielen wie den Bahamas oder Aruba gibt es hingegen vier- oder gar zehnmal so viele Touristen wie Einwohner.

Das sind die fünf am wenigsten touristischen Länder der Welt:

  1. Bangladesch – 125.000 Touristen auf 160 Millionen (Schnitt: 1:1273)
  2. Guinea – 33.000 Touristen auf 12 Millionen Einwohner (1:372)
  3. Moldau – 11.000 Touristen auf 3,5 Millionen Einwohner (1:323)
  4. Indien – 7,7 Millionen Touristen auf 1,3 Milliarden Einwohner (1:169)
  5. Sierre Leone – 44.000 Touristen auf 6,3 Millionen Einwohner (1:144)

Da die Zahlen nur das Verhältnis Tourist – Einheimischer beschreiben, geben sie keine Auskunft darüber, wie touristisch – also "überlaufen" – ein Land tatsächlich ist. Indien ist mit knapp acht Millionen Touristen eines der beliebtesten Reiseziele der Welt, allerdings wirken die Besucher bei der Masse an Menschen im Land verschwindend gering.

Überlaufen ist es trotzdem: Vielleicht weniger an einem Mittwochnachmittag in Kochi, aber auf jeden Fall an einem Sonntagssonnenaufgang am Taj Mahal.

Lebensstandard und Annehmlichkeiten

Warum gibt es so wenige Touristen in Bangladesh? Ein Grund dürfte der schlechte Ruf des Landes sein, sowohl was die zahlreichen Naturkatastrophen anbelangt, als auch die politische Lage in dem bitterarmen Land, das dementsprechend kaum eine touristische Infrastruktur aufweist. Guinea, Niger, Äthiopien – auch diese Länder werden von Reisenden eher gemieden: Touristen bevorzugen demnach Länder, die einen höheren Lebensstandard und daher mehr Annehmlichkeiten bieten.

Daher sind die Analysten auch der Frage nachgegangen, welche Länder besonders überrannt sind. Dazu haben sie sich angesehen wie viele Touristen auf einen Einwohner kommen.

Das sind die fünf touristischsten Länder der Welt:

  1. Andorra – 2.363.000 Touristen auf 73.000 Einwohner (32,4 Touristen auf 1 Einwohner)
  2. Aruba – 1.072.000 Touristen auf 103.000 Einwohner (10,4:1)
  3. Monaco – 329.000 Touristen auf 38.000 Einwohner (8,7:1)
  4. Bahrain – 10.452.000 Touristen auf 1.362.000 Einwohner (7,7:1)
  5. Palau – 141.000 Touristen auf 21.000 Einwohner (6.7.:1)

Angeführt wird die Liste vom Kleinstaat Andorra, wo auf 73.000 Einwohner jährlich mehr als zwei Millionen Besucher kommen. Vor allem Skifahrer und Outdoor-Touristen kommen besuchen das Land, dessen Einnahmen aus dem Tourismus bis zu 80 Prozent des BIP ausmachen. Allerdings ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen: Kamen 2004 noch 2,8 Millionen Touristen nach Andorra, waren es 2014 nur noch rund 2,4 Millionen.

Europa besser meiden

Was zu der nächsten Frage führt: Welches Land wird zunehmend touristischer? Auch darauf hat Priceonomics eine Antwort: Georgien. 2004 kamen noch 0,09 Touristen auf einen Einheimischen, 2014 waren es schon 1,48. Das bedeutet eine Wachstumsrate von 17,1 . Auch Bhutan (12,3 Zuwachs) kann mit einer ähnlichen Rate aufwarten: 2004 kam 0,01 Tourist auf einen Einwohner, 2014 sind es schon 0,18 Touristen pro Einwohner.

Bei vielen Ländern fällt Wachstumsrate nach Rechnung der Analysten auch deswegen so hoch aus, weil es bisher eben gar keine Touristen ins Land kamen. Ein gutes Beispiel ist Burma wo sich die Zahl der Touristen beinahe vervierfacht hat: von rund 800.000 auf über drei Millionen von 2011 auf 2014.

Wer also unbedingt die Bekanntschaft anderer Touristen vermeiden möchte, sollte Europa und Ziele in der Karibik meiden – und stattdessen lieber Bangladesch einen Besuch abstatten. (red, 11.5.2016)

  • Wer sich als Tourist nach Bangladesh verirrt, kann sicher sein, kaum auf seinesgleichen zu treffen ...
    foto: ap/a.m. ahad

    Wer sich als Tourist nach Bangladesh verirrt, kann sicher sein, kaum auf seinesgleichen zu treffen ...

  • ... anders stellt sich die Lage in Andorra dar: Gemessen an der Einwohnerzahl, zieht der Kleinstaat die meisten Touristen an.
    foto: reuters/sergio perez

    ... anders stellt sich die Lage in Andorra dar: Gemessen an der Einwohnerzahl, zieht der Kleinstaat die meisten Touristen an.

  • Burma wird zunehmend touristischer. Dort hat sich die Zahl der Touristen beinahe vervierfacht: von rund 800.000 auf über drei Millionen von 2011 auf 2014.
    foto: apa/epa/rungroj yongrit

    Burma wird zunehmend touristischer. Dort hat sich die Zahl der Touristen beinahe vervierfacht: von rund 800.000 auf über drei Millionen von 2011 auf 2014.

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