Bundespräsidentenwahl: Was-wäre-wenn-Fantasien

Blog5. Mai 2016, 09:00
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Die Fragen an die Kandidaten haben manchmal mit der Realität nicht viel zu tun

Der seit vielen Wochen dauernde Bundespräsidentschaftswahlkampf driftet ins Fantastische ab. Die Kandidaten für die Stichwahl, Norbert Hofer (FPÖ) und der von den Grünen unterstützte Alexander Van der Bellen, wurden bereits auf ihre politischen Positionen abgeklopft, nun nehmen unnötige Was-wäre-wenn-Fragen zu.

Auch wenn die gegnerischen Stimmen immer lauter werden und eine Krisensitzung ansteht, noch ist Werner Faymann (SPÖ) Bundeskanzler. Das hindert einzelne Medien aber nicht daran, die Kandidaten schon jetzt zu Fragen, ob sie seine Nachfolger angeloben würden. Dass diese noch gar nicht feststehen, scheint da nicht zu interessieren. Auch nicht, dass einen Nachfolger eventuell noch der aktuelle Bundespräsident Heinz Fischer angeloben würde.

Die Österreicher erfahren nun also, dass Hofer einen SPÖ-Kanzler namens Christian Kern (derzeit ÖBB-Chef) oder Gerhard Zeiler (Medienmanager) angeloben würde. Auch Van der Bellen würde es "im Normalfall" akzeptieren, wenn die SPÖ ihren Kanzler austauscht. Eh, und jetzt? Den Wählern wird das kaum ihre Entscheidung erleichtern.

Ja, dass der Bundespräsident in seiner Wahl des Kanzlers theoretisch komplett frei ist, gibt ihm sehr viel Macht, und es ist durchaus berechtigt, die Kandidaten zur ihrem Amtsverständnis zu befragen. Kanzlerkandidaten zu nennen, die höchstens in den Gerüchteküchen der österreichischen Innenpolitikszene herumschwirren, ist aber unseriös. Was wäre, wenn diese Fragen nicht gestellt würden? Es würde mehr über Themen und weniger über Fantasien geredet. (Lisa Kogelnik, 4.5.2016)

  • Der Bundeskanzler ist weiterhin im Amt, die Kandidaten für die Präsidentenwahl werden trotzdem zur Angelobung seiner möglichen Nachfolger befragt.
    foto: apa/schlager

    Der Bundeskanzler ist weiterhin im Amt, die Kandidaten für die Präsidentenwahl werden trotzdem zur Angelobung seiner möglichen Nachfolger befragt.

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