Flüchtlingsprojekt: Ein Stadtplan in fünf Sprachen

6. Mai 2016, 07:00
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Freiwillige entwickeln Handy-App, die Flüchtlingen in Wien Orientierung geben soll

Wien – Man ist neu in der Stadt, kennt niemanden, versteht die Sprache nicht. Aber man wird wohl die nächsten Monate, wenn nicht Jahre hier verbringen. Hilfsorganisationen helfen zwar weiter und geben Auskunft. Etwa darüber, wo man zum Arzt gehen soll oder welchen Deutschkurs man besuchen kann, aber so richtig selbstständig fühlt man sich dabei nicht.

So – das dachte sich eine Gruppe Freiwilliger in Wien – muss es derzeit den Flüchtlingen, die nach Österreich kommen, gehen. Sie diskutierten, wie man den Betroffenen helfen könnte. Dabei entstand die Idee, eine Handy-App zu entwickeln, die den Nutzern zeigt, welche Angebote es in Wien für sie gibt.

foto: new here
So soll die App aussehen.

Bis 20. Juni soll die im ersten Schritt webbasierte Applikation mit dem Namen "New Here" fertig sein. Sie wird in fünf Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Farsi, Arabisch – benutzbar sein. Für Analphabeten wird es außerdem Piktogramme geben. Im Stadtplan werden also Symbole aufscheinen, die die verschiedenen Angebote zeigen. Ein Bücherstapel weist auf eine Bildungseinrichtung hin, Messer und Gabel auf eine Essensmöglichkeit, ein Kreuz auf medizinische Versorgung.

Woher die Daten dafür kommen? Die Organisatoren kooperieren mit NGOs, etwa der Caritas, die ihre Angebote auch selbstständig in die App eintragen können. Das soll übrigens auch Privatpersonen möglich sein. Anna Müller-Funk, eine der Initiatorinnen, weist darauf hin, dass die App auch redaktionell betreut und die Inhalte geprüft werden. "Selbstverständlich wollen wir verhindern, dass damit Missbrauch betrieben wird."

"Selbstständig zurechtfinden"

"New Here" stehe für Selbstbestimmung, führt sie aus: "Das Ziel ist es, Neuangekommenen zu erleichtern, sich selbstständig in der Stadt zurechtzufinden." Die Software für die App wird derzeit programmiert. Die App soll auch in anderen Städten Europas implementierbar sein. Vorerst gibt es das Projekt allerdings nur für Wien.

Auf respekt.net sammeln die Organisatoren – unter ihnen Kartografen, TU-Studenten, Künstler und Menschenrechtsexperten – noch Spenden.

Mithilfe der App sollen Flüchtlinge auch Angebote für Deutschkurse finden.

Zum Launch der App am 20. Juni – das ist übrigens der Weltflüchtlingstag – wird außerdem ein Aktionstag veranstaltet. Er steht unter dem Motto "Welcome Oida" und soll sichtbar machen, dass Wien Flüchtlinge willkommen heißt und die Zivilgesellschaft solidarisch mit Flüchtlingen ist. Kultureinrichtungen, Sportvereine, Museen, Bars und Beisln veranstalten an dem Tag Soli-Feste und Konzerte. (Rosa Winkler-Hermaden, 6.5.2016)

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