Woher die kleinsten Leoparden der Welt kamen

8. Mai 2016, 18:51
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Laut deutschen Forschern ist der Java-Leopard schon vor etwa 600.000 Jahren über eine Landbrücke in seiner heutigen Heimat eingewandert – dort ist er nun vom Aussterben bedroht

Berlin – Mit seinen neun Unterarten ist der Leopard von weiten Teilen Afrikas über die Arabische Halbinsel, Vorder- und Südasien bis ins östliche Sibirien verbreitet. Einige dieser Unterarten sind allerdings vom Aussterben bedroht – das gilt auch für die mit maximal 140 Zentimetern Kopf-Rumpf-Länge kleinste, den Java-Leoparden (Panthera pardus melas). Dessen Bestandszahlen liegen höchstens bei wenigen hundert Exemplaren, möglicherweise sogar nicht einmal mehr im dreistelligen Bereich.

Nach dem Aussterben des Sunda-Nebelparders im Holozän und des Java-Tigers in den frühen 1980ern ist der Java-Leopard die letzte Großkatze, die noch auf der Insel lebt. Aufgrund menschenbedingter Eingriffe in die Lebensräume – etwa durch Abholzungen – hat die Population dieser Unterart erheblich abgenommen.

Seit langem allein

Wie der Forschungsverbund Berlin berichtet, konnte nun festgestellt werden, dass sich der Java-Leopard, bei dem Exemplare mit rein schwarzem Pelz auffällig oft vorkommen, von allen anderen asiatischen Leoparden unterscheidet. Die Forschungsergebnisse wurden in dem Fachmagazin "Journal of Zoology" veröffentlicht.

Deutsche Forscher haben zusammen mit der Naturschutzorganisation "Conservation International Indonesia" die Besonderheiten dieser Unterart untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen, dass sich Java-Leoparden von den Festland-Leoparden bereits während des Mittleren Pleistozäns – vor etwa 600.000 Jahren – abspalteten und sich von diesen genetisch unverwechselbar unterscheiden.

Mögliche Auswirkungen eines Supervulkanausbruchs

Die Ahnen der heutigen Population wanderten wahrscheinlich vom asiatischen Festland aus nach Java ein, als der Meeresspiegel über einen längeren Zeitraum niedriger war. Sie nutzten dabei womöglich eine vorübergehende Landbrücke, welche zwischen der Malaiischen Halbinsel und Java entstanden war, die Insel Sumatra jedoch ausschloss. Dies könnte ein Grund sein, weshalb Leoparden heute zwar auf dem asiatischen Festland und auf Java vorkommen, aber nicht auf Sumatra oder Borneo.

Fossilien weisen laut den Forscher aber darauf hin, dass Leoparden während des Pleistozäns zumindest in einigen Teilen Sumatras existierten. "Wir nehmen an, dass Leoparden auf dieser Insel nach dem starken Ausbruch des Vulkans Toba vor ungefähr 74.000 Jahren ausstarben. Auf Java war der Effekt dieses Ausbruchs dagegen gering, weshalb Leoparden dort überleben konnten", sagt Studienerstautor Andreas Wilting vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.

Bedeutung für Schutzmaßnahmen

Die Wissenschafter rekonstruierten die Entwicklungsgeschichte des Java-Leoparden, indem sie seine mitochondriale DNA aus Museumsexemplaren sequenzierten und die gewonnenen genetischen Informationen mit Sequenzen asiatischer und afrikanischer Leoparden verglichen. Die mögliche historische Verbreitung der Leoparden wurde unter Verwendung von Daten des Letzteiszeitlichen Maximums und Mittleren Holozäns durch Arten-Verbreitungs-Modelle rekonstruiert.

Die Studie bestätigt, dass der Java-Leopard als eigene Unterart zu klassifizieren ist, was zuvor nicht sicher war. Das ist keine rein akademische Angelegenheit: Ein solcher Status kann ein Ansporn zu verbesserten Schutzmaßnahmen sein, weil es sich eben nicht um ein Tier handelt, das anderswo auch vorkommt, sondern um ein einzigartiges. (red, 8. 5. 2016)

  • Ein Java-Leopard aus einem Schutzgebiet im Westen der Insel.
    foto: conservation international indonesia

    Ein Java-Leopard aus einem Schutzgebiet im Westen der Insel.

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