Flint: Google-KI kämpft gegen giftiges Trinkwasser

4. Mai 2016, 12:42
18 Postings

Algorithmus gibt vor, welche schadhaften Leitungen zuerst getauscht werden sollten

Über 100.000 Menschen wohnen in Flint. Der viertgrößte Ort im Bundesstaat Michigan liegt etwa eine Autostunde entfernt von Detroit und war Anfang des Jahres mit einem Trinkwasser-Skandal in die Schlagzeilen geraten. Messungen hatten ergeben, dass das örtliche Wasser seit Jahren eine viel zu hohe Konzentration an Blei aufweist. Der Grund: das Leitungssystem und seine alten, schadhaft gewordenen Rohre.

Seitdem sucht man nach Lösungen, um dem Problem Herr zu werden. Denn eine chronische Bleivergiftung kann zahlreiche gefährliche Folgen für die Gesundheit haben.

Problematische Informationslage

Nicht nur die US-Regierung und Vertreter des Bundesstaates sagten dem Ort Hilfe zu, auch einige Unternehmen versprachen einen Beitrag. Darunter Google, dessen Hilfsmittel sich bald als wichtig erweisen könnte.

Die Wasserversorgung läuft laut Zahlen der am Projekt beteiligten University of Michigan auch über 8.000 bleihaltige Rohre. Die Stadtverwaltung ist allerdings nur über den Zustand von etwas mehr als der Hälfte im Bilde. Die Verfassung der anderen Leitungen ist unbekannt, weil es an Aufzeichnungen mangelt.

Viele Daten hat man dagegen mittlerweile dank ausgiebiger Tests über die Zusammensetzung des Wassers an vielen Orten. Bislang fehlte jedoch ein Plan, um diese Informationen in eine Handlungsbasis umzuwandeln.

michigan engineering

Digitales Hirn liefert Empfehlungen

Die Google-Wissenschaftler haben nun einen Algorithmus entworfen, der primär dabei helfen soll, die Bleianteile des Wassers in Flint möglichst schnell nach unten zu drücken. Unter Berücksichtigung der Daten sowie zusätzlicher Ansatzpunkte wie dem Alter und der Größe von Leitungen sowie der Art des Gebäudes, in dem sie verlegt sind, soll ein neuronales Netzwerk eine Karte bauen. Diese zeigt den wahrscheinlichen Zustand der Leitungen in Flint und soll Empfehlungen generieren, in welcher Reihung sie auszutauschen sind.

Das ermöglicht der Stadtverwaltung, die Erneuerung des Wassernetzes effizienter zu planen. Außerdem sollen auch die Bewohner der Stadt Zugriff auf diese Informationen erhalten. Dazu will man im Sommer eine Android-App veröffentlichen, die auch lokale Messwerte von Wassertests ausweist und Empfehlungen für die Installation von Filtern gibt. (gpi, 04.05.2016)

  • In Flint haben zahlreiche alte und schadhafte Bleirohre das Trinkwasser vergiftet.

    In Flint haben zahlreiche alte und schadhafte Bleirohre das Trinkwasser vergiftet.

Share if you care.