Höhere Stoffwechselrate verhalf uns zu großen Gehirnen

5. Mai 2016, 12:20
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Der menschliche Energiehaushalt unterscheidet sich signifikant von jenem seiner nächsten Verwandten, wie US-Forscher nun gezeigt haben

New York – Abgesehen von seiner Intelligenz, die er seinem enormen Großhirn verdankt, unterscheidet sich der Mensch von seinen nahen Primaten-Verwandten durch eine ganze Reihe weiterer physiologischer Eigenschaften: Er lebt länger, hat mehr Nachkommen, eine längere Kindheit, einen höheren Körperfettanteil und einen im Verhältnis kleineren Verdauungsapparat – all das ist mit signifikant höheren Energiekosten verbunden.

Welche genauen Mechanismen hinter diesen Unterschieden allerdings stecken, war bisher weitgehend unklar. Einer internationalen Forschergruppe unter der Leitung von Herman Pontzer vom Hunter College in New York ist es nun anhand von Vergleichen zwischen Menschen und Menschenaffen gelungen, das Geheimnis dahinter zu entschlüssel: Offenbar konnte der Menschen und seine unmittelbaren Vorfahren den hohen Energieaufwand decken, indem ihm die Evolution eine gesteigerte Stoffwechselrate bescherte. Nach Ansicht von Pontzer und seinen Kollegen ist es auch dieser rasante Metabolismus, der die Entwicklung unseres großen Gehirns erst ermöglichte.

Die Wissenschafter untersuchten für ihre Studie den täglichen Energieaufwand von 141 Testpersonen sowie jenen aller bekannten Menschenaffen. Dabei zeigte sich, dass die durchschnittlichen menschlichen Gesamtenergieausgaben (total energy expenditure, TEE) jene von Bonobos, Schimpansen, Gorillas und Orangutans um 400 Kilokalorien bis 820 Kilokalorien übersteigt.

Den Großteil dieser Unterschiede konnten die Forscher schließlich an der wesentlich höheren Stoffwechselrate festmachen – jener Energiemenge also, die nötig ist, um den Körper ohne physische Aktivität am Laufen zu halten. Der höhere Körperfettanteil könnte den im Fachjournal "Nature" präsentierten Ergebnissen zufolge im Rahmen eines koevolutionären Prozesses entstanden sein, um Engpässe im Energiehaushalt zu verhindern. (red, 7.5.2016)

  • Schimpansen (hier ein Weibchen mit Jungtier) verbrauchen mehr Energie als andere Menschenaffen, aber immer noch bedeuten weniger als der Mensch. Schuld daran ist die höhere menschliche Stoffwechselrate.
    foto: mary h. brown

    Schimpansen (hier ein Weibchen mit Jungtier) verbrauchen mehr Energie als andere Menschenaffen, aber immer noch bedeuten weniger als der Mensch. Schuld daran ist die höhere menschliche Stoffwechselrate.

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