Erste Group mit Gewinnsprung

4. Mai 2016, 10:28
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Risikokosten historisch tief – Nettogewinn wuchs über ein Fünftel auf 275 Mio. Euro – Kreditqualität weiter verbessert

Wien – Die Erste Group Bank AG ist begünstigt durch die bisher niedrigsten Risikokosten mit einem unerwartet kräftigen Gewinnsprung ins neue Jahr gestartet. Belastend wirkten sich im ersten Quartal jedoch die Beiträge zu Einlagensicherungs- und Abwicklungsfonds sowie ungarischer Bankensteuer aus. Die Eigenkapitalrendite des Konzerns soll heuer bei 10 bis 11 Prozent liegen, erklärte die Erste am Mittwoch.

Der Nettogewinn von Jänner bis März lag mit 274,7 Mio. Euro um fast 22 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert (225,8 Mio. Euro). Das Betriebsergebnis sackte um 16 Prozent auf 620,5 (741,0) Mio. Euro ab, weil die Beiträge zu Einlagensicherungs- und Abwicklungsfonds sowie ungarischer Bankensteuer gleich fürs Gesamtjahr zu verbuchen waren.

Der Zinsüberschuss blieb mit 1,092 Mrd. Euro etwa gleich, der Provisionsüberschuss gab von 461,0 auf 443,1 Mio. Euro nach, die Betriebserträge lagen mit 1,629 (1,689) Mrd. Euro unter Vorjahr, die Betriebsaufwendungen mit 1,009 (0,948) Mrd. Euro darüber. Der 6,4-prozentige Anstieg des Verwaltungsaufwands sei durch die fast gänzliche Verbuchung der 2016 erwarteten Aufwendungen für Beiträge in Einlagensicherungssysteme in Höhe von 71,7 (19,2) Mio. Euro bedingt. Die Kosten-Ertrags-Relation habe sich im ersten Quartal auf 61,9 (56,1) Prozent belaufen, so die Erste Group.

Der sonstige betriebliche Erfolg betrug -139,5 (-153,5) Mio. Euro – samt 64,7 (54,9) Mio. Euro Aufwendungen für die erwarteten jährlichen Zahlungen in Abwicklungsfonds. Die Banken- und Finanztransaktionssteuern lagen mit 62,8 (91,8) Mio. Euro unter dem entsprechenden Vorjahreswert; das sei auf die signifikante Reduktion der ungarischen Bankabgaben auf 27,1 (56,5) Mio. Euro zurückzuführen. In Österreich seien die Belastungen mit 29,5 Mio. Euro unverändert geblieben, in der Slowakei lagen sie bei 6,2 (5,8) Mio. Euro. "Die regulatorischen Kosten – Bankenabgaben, Beiträge zu Abwicklungs- und Einlagensicherungsfonds – werden mit einer erwarteten Gesamthöhe von 360 Mio. Euro auch 2016 beträchtlich bleiben", so Erste-Group-Chef Andreas Treichl im Quartalsbericht. "Davon wurden rund 200 Mio. Euro bereits im ersten Quartal verbucht."

Für heuer erwartet das Institut eine – um immaterielle Vermögenswerte bereinigte – Eigenkapitalrendite (ROTE) von 10 bis 11 Prozent (im ersten Quartal waren es 11,3 Prozent), was weitere Dividendenausschüttungen begünstige. Unterstützend wirkten dabei das fortgesetzte Kreditwachstum, eine kontinuierliche Verbesserung der Kreditqualität sowie ein positiver Einmaleffekt im Zusammenhang mit dem Verkauf der Visa-Beteiligung von etwa 127 Mio. Euro vor Steuern. Jedoch wirke sich das nachhaltig niedrige Zinsumfeld heuer negativ auf die Betriebseinnahmen aus, insbesondere den Zinsüberschuss. Erwartet werde ein Rückgang im Betriebsergebnis in Ungarn (niedriges Kreditvolumen) sowie Rumänien (Kreditzinsanpassungen).

Praktisch alle Banken des Erste-Konzerns im Osten schrieben im ersten Quartal einen Gewinn, so das Institut, lediglich in Ungarn stand mit einem Minus von lediglich 200.000 Euro eine schwarze Null. In Tschechien wurde ein den Eigentümern des Mutterunternehmens zuzurechnendes Periodenergebnis von 115,7 (124,3) Mio. Euro eingefahren, in der Slowakei von 45,2 (37,7) Mio. Euro, in Rumänien von 61,5 (71,5) Mio. Euro, in Kroatien von 22,9 (6,9) Mio. Euro, in Serbien von 3,3 (2,3) Mio. Euro. In Ungarn wurde zum Jahresauftakt der Periodenverlust von -15,6 auf -0,2 Mio. Euro zurückgefahren. Erste Bank Österreich und Töchter steuerten 41,6 (51,3) Mio. Euro Ergebnis bei, das sonstige Österreich-Geschäft 54,4 (18,0) Mio. Euro.

Die Kreditqualität habe sich weiter verbessert – im Erstquartal sanken die Risikokosten der Erste Group auf historisch niedrige 17 Basispunkte des Bruttokundenkreditbestands. Gründe dafür waren die Auflösung hoher Vorsorgen in Rumänien und Ungarn, aber auch eine anhaltend positive Entwicklung der Kreditqualität in Österreich. Mit 80 Prozent des Kreditbestands erreichten die Kredite mit niedrigem Risiko den höchsten Stand seit Mitte 2008, so das Institut. Erstmals seit Ende 2009 sei der Bestand notleidender Kredite auf unter 9 Mrd. Euro bzw. auf 6,7 Prozent des Bruttokreditbestands gesunken.

Der Personalstand der Erste Group lag mit 46.784 im März um 0,7 Prozent höher als im Dezember (46.467); davon waren 8.434 (8.456) im Inland bei Erste Group, Erste Bank und Töchtern tätig, 7.327 (7.230) bei Haftungsverbund-Sparkassen. Größte Auslands-Teilkonzerne sind Ceska sporitelna mit 10.487 (10.501) und Banca Comerciala Romana mit 7.126 (7.065) Mitarbeitern, gefolgt von Slovenska sporitelna mit 4.219 (4.205) und Erste Bank Hungary mit 2.886 (2.813) Leuten.

Insgesamt wuchs das Eigenkapital der Erste Group auf 15,2 (14,8) Mrd. Euro. Das harte Kernkapital (CET 1, Basel 3 aktuell) legte auf 12,2 (12,1) Mrd. Euro zu, die gesamten regulatorischen Eigenmittel (Basel 3 aktuell) betrugen 17,7 (17,6) Mrd. Euro. Das Gesamtrisiko – die risikogewichteten Aktiva aus Kredit-, Markt- und operationalem Risiko (Basel 3 aktuell) stieg auf 100,5 (98,3) Mrd. Euro. Die Eigenmittelquote (Basel 3 aktuell) lag bei 17,6 (17,9) Prozent, die harte Kernkapitalquote (CET 1, Basel 3 aktuell) bei 12,1 (12,3) Prozent – samt des einbehaltenen Gewinns sei sie im ersten Quartal mit 12,3 Prozent unverändert stark gewesen, so Treichl im Vorwort des Vorstands zum Quartalsbericht. Die Bilanzsumme wuchs auf 206,4 (199,7) Mrd. Euro. (APA, 4.5.2016)

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