US-Wahlkampf: Cruz gibt auf und macht Weg für Trump frei

4. Mai 2016, 03:56
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Rückzug des Republikaners Cruz nach Niederlage in Indiana, Trump ist Nominierung kaum noch zu nehmen

Es ist entschieden. Die Republikaner werden mit Donald Trump als ihrem Kandidaten ins Finale des Ringens ums Weiße Haus gehen. Die Wunschszenarien ihrer Parteistrategen, wonach der schrille Bauunternehmer auf einer "Contested Convention" noch irgendwie ausgebootet, auf einem hartumkämpften Nominierungsparteitag mit raffinierten Manövern gestoppt werden kann, sind in der Nacht zum Mittwoch allesamt Makulatur geworden. Im mittelwestlichen Indiana entschied Trump eine Vorwahl für sich, die sein härtester Rivale Ted Cruz unbedingt hätte gewinnen müssen, um sich noch den Rest einer Chance auszurechnen.

foto: reuters/bergin
Ted Cruz zieht sich aus dem Wahlkampf zurück.

Absolute Mehrheit

Trump holte rund 53 Prozent der Stimmen, während Cruz knapp 37 Prozent erhielt. John Kasich, der Gouverneur Ohios, der Cruz in Indiana den Vortritt ließ, nachdem beide ein nach Verzweiflung riechendes Zweckbündnis geschlossen hatten, kam auf acht Prozent. Überraschenderweise ist es nun Kasich, der als einziger Kontrahent des Immobilientycoons im Rennen bleibt, obwohl er im Laufe der Primaries bis auf Ohio keinen einzigen Bundesstaat gewann.

Cruz, der erzkonservative Senator aus Texas, den die Anti-Trump-Koalition in ihrer Ratlosigkeit zu einer Art letztem Hoffnungsträger gekürt hatte, warf noch in der Wahlnacht das Handtuch, wie üblich mit einer Rede voller Pathos. Schweren Herzens, aber mit grenzenlosem Optimismus für die Zukunft der US-Nation suspendiere er seine Kampagne, sagte er auf einer Abschiedskundgebung in Indianapolis.

Untergriffiges Finale

Vorausgegangen war eines der hässlichsten Kapitel eines Wahlkampfes, der bei den Konservativen ohnehin schon geprägt ist von einem überaus giftigen Ton. Trump hatte eine Story des Boulevardblatts "National Enquirer" aufgegriffen und Cruz' aus Kuba stammenden Vater Rafael zu einem Komplizen Lee Harvey Oswalds gestempelt, des Schützen, der 1963 in Dallas den damaligen Präsidenten John F. Kennedy ermordet hatte. Als Beleg diente ihm ein altes Foto. Es zeigt einen Mann, dessen Gesichtszüge eine gewisse Ähnlichkeit mit denen des jungen Rafael Cruz aufweisen, wenige Monate vor der Bluttat in New Orleans in der Nähe Oswalds.

foto: apa/afp/getty images/spencer pla
Trump ist die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner wohl nicht mehr zu nehmen.

Dass Kennedy, der 1961 die Invasion in der Schweinebucht anordnete, Opfer einer Racheaktion der Regierung Fidel Castros geworden sein soll, ist eines der unzähligen Gerüchte, die sich seit Jahrzehnten um den Mord ranken. Trump hat es aufgewärmt, ohne einen Beweis anzuführen, einzig die Tatsache, dass Cruz senior, heute ein konservativer Pfarrer, als Teenager mit den Rebellen um Castro sympathisierte, bevor er in die USA auswanderte. Allein schon diese eine Episode lässt ahnen, was für eine Schlammschlacht dem Land noch blüht, wenn sich der Populist, der keinerlei Hemmungen kennt, in der Hauptwahl im Herbst mit Hillary Clinton duelliert.

fox news

Niederlage für Clinton in Indiana

Clinton wiederum musste sich in Indiana ihrem Widersacher Bernie Sanders geschlagen geben. Der Senator aus Vermont kam auf knapp 53 Prozent der Stimmen, die frühere Außenministerin auf gut 47 Prozent. Ihr Vorsprung bei den Delegierten scheint allerdings uneinholbar zu sein, Sanders müsste alle noch ausstehenden Vorwahlen mit überwältigender Mehrheit gewinnen, um ihr noch Paroli bieten zu können.

Dennoch, mit der Primary in Indiana, einem der Staaten des Rostgürtels der alten Industrie, die schwer unter der Billigkonkurrenz aus Asien und Lateinamerika leiden, verband sich ein wichtiger Stimmungstest. Die Frage war, ob es Clinton mit dem Schwung vorangegangener Siege doch noch gelingen würde, bei weißen Arbeitern zu punkten, bei einer Klientel, die sich – sofern sie nicht Trump den Vorzug gibt – am ehesten für Sanders erwärmt. Zumindest bei diesem Test ist die Favoritin offensichtlich durchgefallen. (Frank Herrmann aus Washington, 4.5.2016)

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    quelle: apa
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