Angriff ist die beste Verteidigung: Military- und Army-Jacken

5. Mai 2016, 08:00
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Olivgrün und mit praktischen Taschen: Die Army-Jacken sind zurück..

Vor einigen Jahren waren die Rollen klar verteilt. Army-Jacken etwa, die hatten über männlichen Schultern zu hängen. Und nein, nicht nur Robert de Niro gab in Scorseses "Taxi Driver" den adäquat gekleideten, gewaltbereiten Taxifahrer. Er trug in den 1970ern während seiner Schießübungen eine olivgrüne M-65, eine bis zur Hüfte reichende Feldjacke mit vier aufgesetzten Taschen und Schulterklappen, ein Relikt des Vietnam-Veteranen aus vergangenen Zeiten.

Auch die Erinnerung an andere Einsatzgebiete der Feldjacke sind mittlerweile einigermaßen verblasst. Es ist schließlich schon ein paar Jahre her, dass der Duisburger Tatort-Kommissar Schimanski, ein Macho wie er im Buche steht, im Ruhrpott die Fäuste fliegen ließ. Sein breites Kreuz steckte in der Regel in einer beigen M-65.

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Horst Schimanski in seiner beigen M-65

Seither ist ist viel passiert. Die Tarnfarbe ist im ganz normalen Alltag angekommen. Und zwar völlig ideologiebefreit. An mancher Stelle wird sie sogar in den Urlaub geschickt. Der britische Retailer Topshop jedenfalls lässt ein Model in einer Army-Hemdjacke über dem Leoparden-Bikini vor Palmen posieren. Mehr Ironie geht nicht.

foto: topshop
Topshop-Kampagne, Sommer 2016

Auch anderswo ist kein Entkommen: Auf der Social Media-Plattform Instagram ist hemdsärmliges Grün gerade nicht wegzudenken. Da verbergen sich hinter dem Hashtag #armyjacket modische Menschen, die weniger gewaltbereit als shoppinggeil aussehen. Tatsächlich scheint die Army-Jacke heute Ausrüstung für Shoppingstreifzüge oder Selfie-Knipsereien zu sein – geschlechterübergreifend, mit leichtem Überhang beim weiblichen Geschlecht. Und damit klar ist, dass der Einsatz der olivgrünen Jacken auch wirklich nur ironisch gemeint ist (nicht, dass da noch jemand auf falsche Gedanken kommt), werden von den Herstellern Aufnäher spielerisch auf der Grünfläche verteilt. Die Endergebnisse atmen ein bisschen den freien Geist des DIY, der wilden 1960er und 1970er und sollen wohl vor allem eines: Lässig aussehen.

Die besonders gut Informierten werden für das Revival der Army-Jacken selbstverständlich nur ein müdes Gähnen übrig haben: Ist doch alles schon zehnmal da gewesen. Selbst in der Mode ist das Konzept so wahnsinnig neu natürlich nicht. Designer wie Raf Simons haben schon Anfang der Nuller Jahre Aufnäher ihrer Lieblingsbands auf Fishtail-Parkas befestigt. Aber das Wissen darum muss einem ja nicht gleich den Spaß an der Sache verderben. (Anne Feldkamp, 5.5.2016)


Ausgewählte Modelle:

foto: h&m
Jacke von H&M Studio, 79,99 Euro
foto: peek & cloppenburg
Männerjacke von Superdry, via Peek & Cloppenburg, 99,95 Euro
foto: zara
Jacke von Zara mit Patches, 39,95 Euro
foto: marc o'polo
foto: topshop
Hemdjacke von Topshop, 68 Euro
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