Bei Linekers Unterhosen

3. Mai 2016, 18:50
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Für die Sensationsmannschaft Leicester City und ihren Trainer hebt nach dem ersten Jubel das große Abkassieren an. Einem Fußballidol geht es indes an die Wäsche

Leicester? Gewinnt?? Die Premier League??? Mühsam hatten sich die Fußballbegeisterten auf der Insel und weltweit in den vergangenen Wochen an diesen absurd scheinenden Gedanken gewöhnt, während sich die Mannschaft und ihr italienischer Trainer Claudio Ranieri (64) mit 1:0-Siegen und diversen Unentschieden immer näher an den großen Preis heranpirschten. Und doch blieb vielen in Leicester selbst und anderswo kurzzeitig der Mund offenstehen, als der schärfste Rivale Tottenham am späten Montagabend durch ein 2:2 beim Ex-Meister Chelsea die letzte Chance verspielt hatte, die Foxes noch abzufangen.

Kurz nach dem Abpfiff in London fielen sich in der Innenstadt der 330.000 Einwohner zählenden Metropole der unscheinbaren Midlands Tausende von Fans in die Arme. Große Teile der Mannschaft machten bei der gemeinsamen Party im Haus von Torjäger Jamie Vardy die Nacht zum Tag – mittendrin Österreichs Teamkapitän Christian Fuchs, dessen Video vom Moment des totalen Glücks auf Twitter mehr als 200.000 Mal geteilt wurde. Rund 8,3 Millionen Euro sollen in Summe für die Mannschaft an Siegesprämien fließen, etwas mehr noch für den Trainer.

"Ich träume doch, oder", frug Englands Fußballidol Gary Lineker, der nun ein unvorsichtiges Versprechen einlösen muss. Er werde eine Sendung nur in Unterhosen bekleidet moderieren, hatte der 55-jährige BBC-Anchorman gelobt, falls sein Heimatklub in dieser Saison erstmals die Meisterschaft gewinnen würde.

Ein Wunder

Im Milliardengeschäft Fußball stellt Leicesters Triumph ein Wunder dar. Rekordchampion Manchester United wendete in den vergangenen zwei Jahren so viel Geld für Spielertransfers auf wie Leicester in seiner gesamten 132-jährigen Geschichte. In der vergangenen Saison gelang der Klassenerhalt erst in letzter Minute. Vor der Saison galt Ranieris Team als seriöser Abstiegskandidat. Wer ein Pfund auf den Titelgewinn setzte, bekommt jetzt 5000 Pfund – eine sagenhafte Quote.

Dabei hatte sich eine Stabilisierung bereits angekündigt. Der thailändische Besitzer Vichai Srivaddhanaprabha, milliardenschwerer Leiter einer Kette von Duty-Free-Shops, investierte binnen zwei Jahren 100 Millionen Pfund. Als der weit in Europa herumgekommene neue Trainer erstmals die Anlagen besichtigte, soll er positiv überrascht gewesen sein. Mit Charme und psychologischem Einfühlungsvermögen schweißte Ranieri den vergleichsweise kleinen Kader – die Saison über kamen nur 23 Spieler zum Einsatz – zu einer Siegesmaschine zusammen. Deren Feierlichkeiten hat er verpasst, weil der 96-jährigen Mamma zum Geburtstag daheim in Rom aufgewartet werden musste.

Für die kommende Saison prophezeien Branchenexperten dem neuen Meister, der die Champions League schmücken wird, nun zusätzliche Einnahmen von bis zu 150 Millionen Pfund. Sportlich orientiert man sich am besten am örtlichen Rugby-Team: Die Leicester Tigers haben kürzlich im Europacup nur knapp den Einzug ins Finale des Champions Cup verpasst. (Sebastian Borger aus London, 4.5.2016)

  • Die neuen Champions der Insel.
    foto: reuters / matthew childs

    Die neuen Champions der Insel.

  • Die Meisterleiberln waren natürlich längst fertig, schließlich kam der sensationelle Titelgewinn von Leicester City am Ende nicht mehr vollkommen überraschend.
    foto: reuters / matthew childs

    Die Meisterleiberln waren natürlich längst fertig, schließlich kam der sensationelle Titelgewinn von Leicester City am Ende nicht mehr vollkommen überraschend.

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