Häupl will nicht Bundesparteichef sein

3. Mai 2016, 17:48
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Michael Häupl verneint Ambitionen auf den Bundesparteivorsitz der SPÖ. "Mit 67? Nein. " Bei den Genossen hat er aber die Zügel in die Hand genommen und bereitet den Parteivorstand vor

Wien – Das Bild mit Michael Häupl (SPÖ) am Ruder auf dem rauen Wasser hätte sich geradezu aufgedrängt. Wiens Bürgermeister lud am Dienstag mit dem Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck zur Saisoneröffnung des Erholungsgebietes Alte Donau. Traditionell steht eine gemeinsame Bootsfahrt auf dem Programm, darauf wurde diesmal angesichts des Wetters aber verzichtet.

Das Ruder hat der mächtige Sozialdemokrat Häupl nach den Schmährufen gegen Kanzler Werner Faymann am 1. Mai aber auch so bei den Roten in die Hand genommen. Häupl werde in den kommenden Tagen Gespräche mit allen roten Landeschefs und wichtigen SPÖ-Organisationen führen, bekräftigte er. Wo und wann diese stattfinden, wollte er nicht sagen. Dem Vernehmen nach soll zudem direkt vor dem vorverlegten Bundesparteivorstand am kommenden Montag ein Treffen mit den SPÖ-Landesparteichefs geplant sein.

Häupl als Gesprächsführer

Es ist unbestritten, dass Häupl die Gesprächsführung übernehmen wird. Das Thema wird wohl die von einigen Landesorganisationen vehement geforderte Vorverlegung des Bundesparteitags sein. "Ich führe diese Gespräche, ja, aber ich führe sie in Ruhe, ohne Kamera auf der Schulter" , sagte er.

matthias cremer

Von den Wiener Parteigremien war der Stadtchef am Montag dazu ermächtigt worden, den Bundesparteivorstand in Abstimmung mit den Ländern sowie der Gewerkschaft vorzubereiten. Das würde in Absprache mit Faymann passieren. "Das ist keine Aktion gegen ihn, gar keine Rede davon", sagte Häupl. Dass er den Auftrag zur Vorbereitung erhalten habe, "hat sich erst im Laufe der Diskussion so herausgestellt".

Keine Personaldiskussion mit Häupl

Auf eine Personaldiskussion wollte sich Häupl nach den Rücktrittsaufforderungen an Faymann – auch von Vertretern der Wiener SPÖ – nicht einlassen. Zuvor sei die inhaltliche Diskussion zu führen, sonst stünde auch ein neuer Parteichef "vor denselben offenen Fragen". Er selbst strebe jedenfalls nicht den Bundesparteivorsitz an. "Mit 67? Nein", antwortete Häupl.

Kritik an Faymann-Kritikern

Kritik übte der Bürgermeister an den Jugendorganisationen und anderen, die mit Pfeifen gegen Faymann aufgetreten waren. Auch das "Team Haltung" innerhalb der Wiener SPÖ, das gegen Faymann protestiert und dessen Rücktritt fordert, bekam sein Fett weg. Diese Genossen würden "ungerecht" handeln – und anderen Genossen keine Haltung unterstellen. (krud, 3.5.2016)

  • Michael Häupl sieht dem Bundesparteivorstand der SPÖ am 9. Mai entgegen. Der Wiener Stadtchef soll sich bis dahin – als Gesprächsführer – mit Ländervertretern und der Gewerkschaft akkordieren.
    foto: matthias cremer

    Michael Häupl sieht dem Bundesparteivorstand der SPÖ am 9. Mai entgegen. Der Wiener Stadtchef soll sich bis dahin – als Gesprächsführer – mit Ländervertretern und der Gewerkschaft akkordieren.

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