Nicht nur VW fährt deutlich neben der Abgasspur

4. Mai 2016, 10:00
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Nach einem Bericht der Untersuchungskommission "Volkswagen" schaffen im Feldversuch viele Autohersteller die vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte nicht

Wien – Wenn der deutsche Verkehrsminister, Alexander Dobrindt, weitere Rückrufe in der Diesel-Affäre erwartet, dann hat er dafür gute Gründe. Denn laut dem Bericht der von seinem Ministerium beauftragten Untersuchungskommission "Volkswagen" gibt es kaum einen Autohersteller, bei dem im RDE-Test, also bei "realitätsnahen Straßenmessungen", alle Fahrzeugmodelle die gesetzlichen Grenzwerte für gesundheitsgefährdenden Stickoxidausstoß (NOx) erfüllen.

Im Gegenteil. Von 57 vom Kraftfahrtbundesamt in einem Feldversuch auf Rollenprüfstand wie Straßentests untersuchten Kfz hält im RDE-Test nicht einmal die Gruppe der saubersten Personenkraftwagen die vorgeschriebenen Grenzwerte auf Punkt und Beistrich ein. Die Kommission hat die geprüften Fahrzeugmodelle in drei Gruppen eingeteilt, wovon die erste – darunter Audi A3 und A6, BMW 320, 216 und 530 sowie Ford Focus, Fiat Panda bis VW Golf VII, Passat und Volvo V60 – wohl Überschreitungen ausweisen, welche aber als "unauffällig" qualifiziert wurden, weil die Hersteller "gewisse Auffälligkeiten in der Höhe der NOx-Werte technisch plausibel und akzeptabel darstellen konnten". Demnach sind NOx-Emissionen in Höhe des Dreifachen der Abgasnorm (80 mg/km bei Euro-6, 180 mg/km bei Euro-5) unauffällig.

Überschreitung um ein Vielfaches

Richtig üppig werden die Abweichungen bei der zweiten Gruppe. Als Green-Mobil beworbene Fahrzeuge wie der Renault Kadjar überschreiten die Grenzwerte ihrer Schadstoffklasse um mehr als das Zehnfache. Legt man als Maßstab die Werte desselben Fahrzeugmodells auf dem Prüfstand an, schaut es bei den Überschreitungen noch viel dramatischer aus. Der Kadjar mit 1,5 Liter Hubraum liegt demnach im Fahrtest 54-mal höher. Laut Prüfbericht wurde bei den Fahrzeugen in dieser Gruppe im Feldtest keine verbotene Manipulationssoftware wie bei den inkriminierten VW-Modellen entdeckt, aber sie hatten "auffällig hohe NOx-Werte, die technisch nicht ausreichend erklärbar schienen". Manche dieser Hersteller kündigten dem Kraftfahrtbundesamt bereits Reparatur oder Software-Updates an. Von anderen sind noch keine Lösungsvorschläge bekannt.

Klar ist nach diesem Feldversuch: Bei den vorige Woche angekündigten Rückrufen von 630.000 weiteren Autos durch deutsche Hersteller wird es nicht bleiben. Es wird wohl eine Menge von Autobauern aktiv werden müssen, deren EU-weite Zulassung nicht in Deutschland erfolgt. (Luise Ungerboeck, 4.5.2016)

  • Als Green-Mobil beworbene Fahrzeuge wie der Renault Kadjar überschreiten die Grenzwerte ihrer Schadstoffklasse um mehr als das Zehnfache.
    foto: apa/eisele

    Als Green-Mobil beworbene Fahrzeuge wie der Renault Kadjar überschreiten die Grenzwerte ihrer Schadstoffklasse um mehr als das Zehnfache.

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