Warum Gold fair, aber nie bio sein kann

4. Mai 2016, 05:30
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Eheringe aus fairem Gold gibt es nun auch in Österreich, die Umwelt-Kosten bleiben im Bergbau aber hoch

Wien – Ein kerniger Mann steht in einer imposanten Naturkulisse und siebt Gold aus einem Fluss. Mit Abenteuerlust und harter Arbeit zu großem Wohlstand: Diese Bilder der Goldsucher des 19. Jahrhunderts wurden oft in Romanen und Filmen reproduziert. Doch nur ganz selten kann man Gold mit so einfachen Mitteln aus dem Fluss rauswaschen. Das UN-Umweltprogramm schätzt, dass 1000 Tonnen Quecksilber pro Jahr durch Kleinbergbau in die Umwelt gelangen. Rund 100 Tonnen Quecksilber werden pro Jahr allein in den Amazonas geschüttet. Das Trinkwasser wird vergiftet oder landet bei der Bewässerung auf den Feldern und damit in den Lebensmitteln. Auch die soziale Situation in Gemeinden, die vom Bergbau leben, ist prekär: Es fehlen sanitäre Anlagen, Zugang zu Trinkwasser, Krankenhäuser und Schulen. Zudem ist die Förderung teilweise illegal, was Gewalt, Schmuggel und Landraub fördert.

Dass es auch anders geht, zeigen die Bewohner des Dorfes Santa Filomena in der Atacama-Wüste im Süden von Peru. Seit den 80er-Jahren wird das Gebiet von Goldschürfern bevölkert, 1989 schlossen sie sich zur Kooperative Sociedad de Trabajadores Mineros (Sotrami) zusammen. Seit Mitte 2011 ist die Sotrami-Mine von Fairtrade zertifiziert. Das bedeutet, dass die rund 1200 kleingewerblichen Goldschürfer einen garantierten Mindestpreis von 95 Prozent des von der London Bullion Market Association festgelegten Goldpreises erhalten. Zusätzlich gibt es eine Prämie von 2000 Dollar pro Kilo Gold, was beim aktuellen Goldpreis von 41.604 Dollar einem Preisaufschlag von 4,8 Prozent entspricht. Dadurch konnten ärztliche Einrichtungen und ein Schulbau finanziert werden. Zudem gibt es Schulungen zur Sicherheit im Stollen und zum Umgang mit Chemikalien.

Eheringe aus fairem Gold

Nun werden zwei Firmen – Ruesch und das Dorotheum – Eheringe aus fairem Gold aus Peru anbieten. Bislang gab es in Österreich die Alternative des recycelten Goldes. "Eheringe sind aber vielleicht ein sensibles Thema, man will nicht so viel Geschichte mit sich herumtragen, sondern etwas Neues beginnen", sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Die Mine und die Lieferketten werden von Fairtrade kontrolliert.

Der Siegel des Vereins ist den Konsumenten bislang vor allem von Bananen, Schokolade oder Kaffee bekannt. "Aber auch bei der Goldgewinnung leben Menschen am untersten Einkommensspektrum und graben unter gesundheitlichen Risiken und sogar Lebensgefahr Werte aus der Erde. Von den Zwischenhändlern werden sie noch über den Tisch gezogen", erklärt Kirner die Produkterweiterung. Der höhere Lohn ist möglich, ohne dass für die Konsumenten ein extremer Kostenanstieg entsteht, da Zwischenhändlerstufen entfernt wurden. Die Raffinerie in der Schweiz kauft direkt bei der Mine in Peru ein. Ein Lohn, von dem die ganze Familie leben kann, verringert ausbeuterische Kinderarbeit.

Umweltkosten bleiben hoch

Die zwei bislang zertifizierten Minen in Peru arbeiten mit Cyanid-Laugverfahren, um das Gold aus dem Gestein zu lösen. Auch hier entstehen hochgiftige Dämpfe. Bei einem Unfall in der Mine sind die Folgen katastrophal, da das hochgiftige Cyanid alles Leben tötet. Cyanid hat jedoch den Vorteil, dass es sich, anders als Quecksilber, abbauen kann. Daneben wird die Entsorgung des sauren Grubenwassers kontrolliert.

Ein "reines Bioprodukt" werde Gold aber nie, sagt Herbert Wasserbauer von der Dreikönigsaktion: "Die sozialen und ökologischen Kosten sind im Bergbau immer hoch. Vermeiden und Recyceln sind daher die erste Option." Für die Menschen hat Bergbau dennoch das Potenzial, ihre Situation zu verbessern. "15 Millionen Menschen arbeiten im Kleinbergbau, weitere 100 Millionen leben davon", so Wasserbauer.

"Fairgold macht nur einen Bruchteil des Markts aus. Es geht um verbindliche Sorgfaltspflichten für alle Unternehmen und ihre Beschaffungsketten", sagt Wasserbauer. Auch die österreichische Rohstoffstrategie verfolge die Versorgungssicherheit als alleiniges Ziel. Die derzeit in Verhandlung befindliche EU-Konfliktmineralien-Gesetzgebung sieht er hier als Chance auf Verbesserungen in der Rohstoffpolitik. (july, 4.5.2016)

  • Etwa 15 Millionen Menschen arbeiten weltweit im Kleinbergbau. Kinderarbeit ist in diesem Bereich ein weitverbreitetes Problem.
    foto: reuters/luc gnago

    Etwa 15 Millionen Menschen arbeiten weltweit im Kleinbergbau. Kinderarbeit ist in diesem Bereich ein weitverbreitetes Problem.

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