Ende des 500er-Scheins schon ausgemachte Sache

3. Mai 2016, 16:48
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Österreich und Deutschland werden in der EZB überstimmt. Offen ist nur noch, wie lange der 500er als Zahlungsmittel gültig bleibt

Wien – Wenn Ewald Nowotny am Mittwoch das EZB-Gebäude beschreitet, hat er sich mit der Niederlage schon abgefunden. Der Notenbank-Gouverneur und sein deutscher Amtskollege Jens Weidmann werden die für diesen Tag anberaumte Entscheidung zur Abschaffung des 500er-Scheins nicht verhindern können. Frankreich, die Südländer, weitere Staaten und das EZB-Direktorium haben sich längst auf den Schritt verständigt, der vordergründig der Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorfinanzierung und anderen Delikten dienen soll.

Eine einfache Mehrheit reicht im 21-köpfigen Gremium. Somit geht es nur noch um die Modalitäten. Bereits im Vorfeld der Sitzung wurde klargestellt, dass der 500er nicht eingezogen wird und seine Gültigkeit behält. Es geht also in dieser Phase darum, dass keine Scheine nachgedruckt werden. Wann die größte Banknote der Eurozone ihre Funktion als Zahlungsmittel verlieren wird, darüber wird noch debattiert. Ein EZB-Insider hält eine Frist von fünf bis sieben Jahren für realistisch. Dass die Abschaffung fix ist, daran lässt er keinen Zweifel: "Der Zug ist abgefahren."

Handlungsbedarf bei den Notenbanken

Die Maßnahme führt zu Handlungsbedarf bei den Notenbanken: Vom gesamten Bargeldumlauf im Eurosystem in Höhe von 1.100 Milliarden Euro entfallen wertmäßig 300 Milliarden auf die 500er-Banknote. Für jeden eingezogenen 500er müssen 200er, 100er und 50er nachproduziert werden. Das würde 500 bis 600 Millionen Euro an Kosten verursachen, sagte OeNB-Direktor Kurt Pribil kürzlich. Dazu kämen noch Transportkosten.

In der Notenbank und anderen Kreisen befürchtet man weniger die Einschränkungen durch das Ende des Scheins als vielmehr ein Anschwellen der Ängste betreffend eine generelle Abschaffung des Bargelds. Derzeit gibt es Bestrebungen, Cash zu limitieren. Spätestens seit einem Europol-Bericht aus dem Vorjahr, wonach sämtliche Geldwäscher früher oder später Bargeld benutzen, hat zu neuer Aktivität geführt. Die EU-Kommission will bis Juni einen neuen Vorschlag zur Geldwäscherichtlinie vorlegen. Ob sie dabei Bargeld-Restriktionen vorschlagen wird, ist noch offen.

Noch ein anderer Aspekt – im ureigensten Sinne der Notenbanken – spielt in die Debatte hinein: Je weiter die Zinsen nach unten gehen oder ins Negative drehen, desto größer ist der Anreiz, Geld physisch zu horten. Laut einem IWF-Papier würden selbst Banken Bares ab einem Zins von minus 0,75 bis zwei Prozent in den Tresor legen, anstatt es zu verleihen. Damit könnte die expansive Politik der Notenbank ihr Ziel verfehlen, ja geradezu gegenteilige Wirkungen entfallen. Dafür gibt es bereits ein paar Hinweise: Die Nachfrage nach Schweizer 1.000-Franken-Scheinen steigt seit Ende 2014 kontinuierlich.

Schwerere Taschen

Studien befassen sich auch damit, inwieweit dicke Scheine kriminellen Aktivitäten dienen. Laut einer Harvard-Studie sind sie für die Realwirtschaft von geringer Bedeutung, weil größere Beträge ohnehin elektronisch gezahlt würden; hingegen mache die Abschaffung von 500er & Co Transaktionen der Unterwelt teurer und riskanter. Harvard-Studienautor Peter Sands veranschaulicht das – wie berichtet – anhand eines Betrags von einer Million Dollar, der in 500-Euro-Noten beglichen wird. Dafür müsste ein Fünftel einer Aktentasche gefüllt werden. Bei der Verwendung von 50-Euro-Scheinen wären schon 1,6 Aktentaschen notwendig. Nachsatz: Kein Wunder, dass der 500er in einschlägigen Kreisen als "Bin Laden" bezeichnet werde. (Andreas Schnauder, 3.5.2016)

  • Dem 500er-Schein geht schon bald die Farbe aus.
    foto: apa/dpa/matthias balk

    Dem 500er-Schein geht schon bald die Farbe aus.

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