Grey’s Anatomy auf ORF 1: Washington goes Seattle

3. Mai 2016, 19:06
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Frauen müssen die Stimme lauter als Männer erheben, sagt Grey. Sie kämpft in Denzel Washingtons Folge mit dem Tod

Meredith Grey hat wirklich schon genug Schlimmes erlebt. Wer das Schicksal der Ärztin seit zehn Jahren mitverfolgt, weiß: Bevor Ellen Pompeo ihren Dienst als Grey in der Serie Grey’s Anatomy (ORF 1) antrat, hatte sie eine harte Kindheit. Das Spital und sein Team werden dann von Katastrophen aller Art heimgesucht – inklusive Flugzeugabstürze und Amokläufe. Zudem trägt Grey auch ihren größten Kampf aus: den gegen die eigene Bindungsangst. Einmal ertrinkt sie auch fast und ist vorübergehend tot.

Dann das Happy End mit Dr. Traummann, doch der stirbt auch. Man muss schon ein Fan sein, um die ganzen Rückschläge wegzustecken. Mittlerweile ist Grey eine nicht sehr lustige, aber gefestigte Witwe mit drei Kindern, und man könnte eine Staffel mit Blinddarmentzündungen und normalen Pannen wie angebranntem Kantinenessen vertragen. Weit gefehlt. In Staffel 12 übernahm für eine Folge Denzel Washington die Regie und schickte Grey in Der Klang der Stille in die Hölle.

Ein Patient schlägt sie nieder, sie kämpft mit dem Tod, verliert wochenlang ihr Gehör – und kann aufgrund des gebrochenen Kiefers nicht sprechen. Bei Washington ist am Ende alles gut. Doch zuvor zeigt er aus der tonlosen Perspektive der Ärztin, dass sie nicht allein ist. Zahllose Kollegenfreunde kümmern sich liebevoll um sie. "Ein ganzes Dorf" habe sie, sagt Grey, "eine Familie". Ihre Kollegen beugen sich freundlich nickend zu ihr wie Verwandte in stummen Super-8-Filmen aus der Kindheit. Als sie wieder sprechen kann, schließt sich der Kreis zu einem Satz am Beginn der Folge: Frauen müssen lauter als Männer die Stimme erheben, sagt sie da. Sonst werden sie nicht gehört. Auch ohne zugenähten Kiefer nicht. (Colette M. Schmidt, 3.5.2016)

  • Ellen Pompeo als Meredith Grey.
    foto: ap/adam taylor

    Ellen Pompeo als Meredith Grey.

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