Nullzins treibt Privatbanken Kunden in die Arme

5. Mai 2016, 10:00
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Die Nachfrage nach Private Banking wächst. Veranlagen in der "Zinswüste" benötigt Beratung – ein Service, der bei Universalbanken abnimmt

Wien – Das klassische Sparbuch und der Bausparvertrag werfen im derzeitigen Nullzinsumfeld kaum nennenswerte Erträge ab. Anleger weichen daher auf andere Investmentprodukte aus, die mehr Ertrag versprechen, allerdings auch beratungsintensiver sind. Da viele große Universalbanken aus Kostengründen die Personaldecke sowie das Filialnetz ausdünnen und damit auch ihre Beratungsleistung, sehen sich Privatbanken im Anlagebereich gegenüber großen Systembanken im Vorteil.

"Es gibt großen Bedarf an Beratung und Expertise", betont Helmut Hardt, Vorstand der Wiener Privatbank. Viele Kunden sind seiner Ansicht nach mit den Systembanken unzufrieden und würden ihnen den Rücken kehren. Man muss auch keine Millionen im Koffer mehr mit sich führen, um bei einer Privatbank Einlass zu finden – wobei jedoch die Einstiegshürden ebenso wie die Produktpaletten von Anbieter zu Anbieter stark variieren. "Es gibt keine formale Untergrenze", sagt Hardt. "Aber erst ab einem frei verfügbaren Vermögen von 100.000 Euro macht es wirklich Sinn."

Fehlende Zinserträge

"Das Geschäft läuft gut", berichtet auch Schoellerbank-Vorstand Franz Witt-Dörring. "Die Zinswüste hat die Nachfrage nach Beratung erhöht. Das ist mehr denn je gefragt." Aber auch für Privatbanken sei das Nullzinsumfeld nicht nur von Vorteil: Es fehlten die Milliarden, die den Sparern an Zinserträgen verlorengegangen seien. "Das fehlt jetzt für die Veranlagung, das spürt die gesamte Branche."

Gleichzeitig berichtet Witt-Dörring von einem hohen Angebot im Bereich Private Banking: "Der Wettbewerb ist sehr groß, das kommt den Kunden sehr zugute." Die Branche sei in Österreich gewohnt, mit geringeren Margen als in anderen Ländern auszukommen, was sich in besseren Konditionen niederschlage. Allerdings erwartet der Schoellerbank-Vorstand, dass sich das Angebot künftig etwas ausdünnen wird: "Ich bin überzeugt, dass die Konsolidierung weitergehen wird."

Kuchen wird größer

Einen Schritt in diese Richtung hat zuletzt die Wiener Privatbank mit der Übernahme des Bankbetriebs der Valartis Bank gesetzt. Diesen Zukauf erklärt Vorstand Eduard Berger damit, dass sich die Ausrichtungen beider Häuser gut ergänzen würden, nämlich der Fokus auf Immobilien der Wiener Privatbank mit der Kapitalmarktausrichtung der Valartis.

Berger geht davon aus, dass der Markt für Privatbanken von hohen Kapazitäten geprägt bleibt. Allerdings wachse auch der Kuchen, sprich, die Nachfrage bewege sich dem Angebot entgegen. (Alexander Hahn, 4.5.2016)

  • Die Nachfrage nach Beratung beim Veranlagen nimmt zu, denn:  Wer Renditen einfahren will, muss auch Risiken in Kauf nehmen.
    foto: barbara gindl

    Die Nachfrage nach Beratung beim Veranlagen nimmt zu, denn: Wer Renditen einfahren will, muss auch Risiken in Kauf nehmen.

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