Von Bargeldrettern und Antibargeldkriegern

5. Mai 2016, 15:00
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Für den Ökonomen Max Otte ist sein Buchtitel "Rettet das Bargeld" Programm: Er warnt vor der Abschaffung und ruft zum Widerstand dagegen auf

Wer immer schon gewusst hat, dass nichts weniger als die Abschaffung von Münzen und Scheinen unmittelbar bevorsteht, findet in Max Ottes schmalem Büchlein gewiss seine Bestätigung. "Rettet unser Bargeld" lautet der pathetische Aufruf des Finanzmarktexperten, studierten Ökonomen und Professors für Betriebswirtschaftslehre. Die Debatte um Obergrenzen für Barzahlungen und die Abschaffung des 500-Euro-Scheins nimmt Otte als Belege dafür, dass es am Ende nicht darum gehen soll, Bargeld zu begrenzen. Für ihn gibt es keinen Zweifel: Politiker und Finanzlobbyisten machen nicht nur Front gegen Cash, um dessen Zahl zu verringern.

Am Ende stehe die Abschaffung auf dem Plan, damit bankrotte westliche Industrienationen leichter eine Währungsreform durchsetzen und sich auf Kosten der Bürger entschulden können. Was dann kommt, wäre – geht es nach Otte – die reinste Apokalypse: Der Kontrollstaat ist nicht mehr aufzuhalten. Das Ende von Demokratie und Freiheit, das Ende der Privatsphäre, für den streitbaren Mann ernstzunehmende Szenarien. Es geht um Krieg – um alles oder nichts. "Ohne Bargeld gibt es keine Freiheit": Bei Otte gibt es keine Nuancen, kein Dazwischen. Keine Regeln, die noch zu diskutieren wären, keine mündigen Konsumenten, die wissen, was sie tun, keine Lösungen, die gerne genützt werden, weil sie komfortabel sind. Es gibt nur Gut gegen Böse.

Ziviler Widerstand

Die Rolle, die Mario Draghi, Kenneth Rogoff und Larry Summers in diesem dramatischen Stück einnehmen, ist jene der Antibargeldkrieger. Otte ist es jedenfalls bitterernst: Der 51-Jährige ruft auch im Internet unter dem gleichlautenden Motto zum zivilen Widerstand auf.

Dass manche Leute Bargeld lästig finden, kommt in dem Büchlein naturgemäß nicht vor. Dass durchaus nicht alle Menschen Bargeld mit bürgerlicher Freiheit gleichsetzen, spart das schmale Bändchen ebenfalls aus. Das gute Recht einer Streitschrift. Doch eines hat die Debatte sehr wohl gezeigt: Es ist sehr vielen Leuten sehr wichtig, Bargeld zu haben. Und das muss man dann auch respektieren. Und wo Otte recht hat, hat er recht: Ein Stück Freiheit ginge mit dem Ende des Cash tatsächlich verloren. (Regina Bruckner, 4.5.2016)

Max Otte, "Rettet unser Bargeld –eine Streitschrift". € 7,- / 48 Seiten. Ullstein, Berlin 2016




  • Dem Reizthema Bargeldabschaffung hat der Ökonom und Autor Max Otte eine Streitschrift gewidmet.
    foto: apa/barbara gindl

    Dem Reizthema Bargeldabschaffung hat der Ökonom und Autor Max Otte eine Streitschrift gewidmet.

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