Stimmen Pro und Kontra Faymann

3. Mai 2016, 17:25
91 Postings

Werner Faymann steht in der Kritik, noch hat der SPÖ-Chef Unterstützer. Doch die Stimmen gegen den Kanzler nehmen zu. Im folgenden eine Auflistung der wichtigsten Pro- und Kontra-Stimmen zu Werner Faymann.

foto: newald

PRO FAYMANN

Michael Häupl: Der Wiener Bürgermeister ist die Machtzentrale in der SPÖ. Bisher war er loyal und hat Faymann den Rücken gestärkt. Der Kanzler ist von seiner Gunst abhängig. Wenn Häupl Faymann fallen lässt, ist er weg.

Josef Ostermayer: Der Kanzleramtsminister ist das Alter Ego von Faymann und steht diesem seit Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen treu zur Seite. Er gilt als Mastermind der roten Regierungsarbeit. Ostermayer würde Faymann nicht fallen lassen, eher mit ihm untergehen.

Doris Bures: Die Nationalratspräsidentin ist Faymann auch in Freundschaft verbunden, die Bande reicht bis in Jugendjahre zurück. Sie ist loyal. Faymann hat sie nicht ohne Hintergedanken ins Nationalratspräsidium befördert: Im Parlament ist sie die wichtigste Stütze für den Kanzler.

Andreas Schieder: Der Klubobmann im Parlament galt als Vertrauter von Faymann und wurde von diesem 2013 mit der Führung des Klubs im Nationalrat beauftragt. Faymann hielt ihn für verlässlicher als Josef Cap. Ob diese Bande zwischen Faymann und Schieder hält, ist allerdings fraglich. Schieder hat sich von Faymann längst emanzipiert und steht ihm mittlerweile skeptisch gegenüber.

Josef Cap: Der stellvertretende Klubchef der SPÖ wird in allen heiklen Fragen vorgeschickt und vertritt in der Öffentlichkeit konsequent die Linie von Faymann. Die Ablöse nach acht Jahren als Klubchef ging 2013 allerdings nicht ohne Kränkung vor sich. Stürzt Faymann, würde ihm Cap keine Träne nachweinen.

Gabriele Heinisch-Hosek: Die Unterrichtsministerin wurde von Faymann 2008 in die Bundesregierung geholt. Sie gilt als enge Vertraute von Faymann, er ließ sie auch nicht fallen, als sie schwer in die öffentliche Kritik geriet. Das dankte sie ihm bisher mit ungebrochener Loyalität.

Erich Foglar: Der ÖGB-Präsident galt bisher als sichere Stütze von Faymann, der sich stets um ein gutes Verhältnis zur Gewerkschaft bemühte und seine Machtposition dort absicherte. Mit seinem Abrücken von der Faymann-Position, wonach eine Koalition mit der FPÖ ein Tabu sei, ist Foglar aber offenbar auch auf Distanz zu Faymann gegangen.

Matthias Stadler: Der Chef der SP-Niederösterreich und St. Pöltens Bürgermeister stellt sich hinter Faymann. Die "Nabelschau" einiger Personen mit "persönlicher Kritik" schade der Partei. Stadler legte bei den Gemeinderatswahlen im April zu. Kanzler-Kritikern wirft er vor, sie wären selbst bei Wahlen nicht erfolgreich.

Harald Troch: Der Wiener Nationalratsabgeordnete und SP-Vorsitzende in der FPÖ-Hochburg Simmering verteilte am 1. Mai Schilder mit dem Slogan "Werner, der Kurs stimmt". Für ihn ist klar, dass Faymann die Partei weiter führen soll.

Ernst Nevrivy: Ein weiterer Wiener Flächenbezirk, der Faymann den Rücken stärkt, ist die Donaustadt. Bezirksvorsteher Nevrivy kritisierte Wortmeldungen, die sich gegen Faymann richteten, als "Anpatzereien" und "peinliche Profilierungssucht". Er forderte den Rücktritt der Kanzler-Kritikerin Tanja Wehsely. (red)

KONTRA FAYMANN

Hans Niessl: Dass der Burgenländer anders tickt als Faymann, zeigt seine rot-blaue Koalition. Ob er sich gegen die Freizügigkeit am Arbeitsmarkt ausspricht oder einen härteren Asylkurs fordert, Niessl sägt mit seiner Politik am Sessel Faymanns. Er hat ihm die Rute bereits ins Fenster gestellt.

Ingo Mayr: Tirols SPÖ-Chef spricht sich zwar für den Verbleib des Parteichefs aus, zeigte aber Verständnis für die Wiener Abgeordneten, die gegen das verschärfte Asylgesetz stimmten. Dass Faymann beim regulären Parteitag wieder antreten soll, kommt Mayr nicht über die Lippen.

Michael Ritsch: Auch wenn im Westen die SPÖ eher wenig zu sagen hat, der Vorarlberger Landeschef ist unzufrieden mit der Bundespartei und der Regierung. Ritsch fordert Neuwahlen. Ob diese dann mit Faymann an der Spitze bestritten werden sollen, lässt er offen. Aber: "Wenn 10.000 Leute pfeifen, muss man sich fragen, wie man in eine Wahlauseinandersetzung geht."

Walter Steidl: Der Salzburger SPÖ-Chef spricht sich dezidiert für eine Vorverlegung des Parteitags aus und hat mehrfach Kritik an Faymann geäußert. Zu einer offenen Rücktrittsaufforderung ließ er sich allerdings noch nicht hinreißen. Es gehe um Inhalte und Strategien, "das umfasst mehr, als das Austauschen einer Person".

Eva Maltschnig: Die Vorsitzende der Sektion 8 in Wien-Alsergrund will eine Rundumerneuerung der Partei. Inhaltlich wie auch personell. Ihre Sektion startete die Kampagne "Vorsitzwahl 2016". Auf einer Website werden mehrere Kandidaten vorgeschlagen, die Faymann ablösen könnten.

Julia Herr: Die Burgenländerin ist Vorsitzende der Sozialistischen Jugend (SJ). Herrs Stimme konnte Faymann bereits am vergangenen Parteitag nicht gewinnen. Ihre Beziehung hat sich seither nicht gebessert. Die SJ will beim Parteivorstand gemeinsam mit anderen Jugendorganisationen den Antrag zur Vorverlegung des Parteitags einbringen.

Katrin Walch: "Warum die Dauer des Vorsitzes nicht beschränken?" Die Vorsitzende der sozialistischen Studierenden (VSStÖ) sagt, dass Faymann weder als Bundeskanzler noch als Parteivorsitzender wichtige Impulse gesetzt habe. Und wünscht sich einen Neuanfang noch vor dem Sommer.

Tanja Wehsely: Die stellvertretende Klubchefin der SPÖ im Wiener Rathaus ist eine der Anführerinnen der Fraktion innerhalb der Roten, die sich nach dem Wahldebakel für eine personelle wie inhaltliche Neuausrichtung der Partei ausspricht. Faymann müsse als Chef der Partei die Konsequenzen ziehen, fordert sie.

Sonja Wehsely: Ein klares Nein zu Faymann brachte Sozialstadträtin Sonja Wehsely nie über die Lippen. Sie ist innerhalb der SPÖ wie ihre Schwester Tanja aber dem linken Flügel zuzuordnen. So kritisierte sie Faymann und die Bundespartei etwa stark für die Verschärfungen im Asylgesetz.

Muna Duzdar: Scharfe Kritik am Kanzler kommt von der Gemeinderätin aus der Donaustadt. Duzdar sagt, dass nur die wenigsten Faymann weiter als Parteivorsitzenden wollen. Er hätte ihrer Aussage nach aktuell keine Mehrheit auf einem Parteitag.(red)

Share if you care.