Online-Händler Alibaba macht italienischen Wein in China groß

7. Mai 2016, 08:00
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Bei Anlegern ist Wein in aller Munde, und das aus gutem Grund: Aktien und Weingärten versprechen hohe Erträge

In der norditalienischen Stadt Verona waren Alibaba und italienischer Wein das Gesprächsthema schlechthin. Denn die chinesische E-Commerce-Plattform wird künftig italienische Weine in China vermarkten. Aber vor allem die USA entwickeln sich zum Abnehmer Numero uno. "Wir werden unseren Umsatz heuer um über 50 Prozent erhöhen", meinte Graf Gaetano Marzotto, Präsident des Weinunternehmens Santa Margherita. Übrigens meinte Marzotto, dass nicht nur Wien eine seiner Lieblingsstädte, sondern auch der in Österreich angebaute Zweigelt einer seiner Lieblingsweine sei.

Nicht nur dass bei der vor kurzem zu Ende gegangenen Weinmesse, der 50. Vinitaly, ein Rekordbesuch von Ausstellern und Besuchern gemeldet wurde. Abgesehen von Sommeliers und Winzern, von Importeuren und Weintestern traf man in Verona erstmals auch auf Analysten bekannter nationaler und internationaler Investmentbanken. Denn nachdem die Mailänder Mediobanca kürzlich eine Studie über die weltweit rapide wachsende Rentabilität der Weinwirtschaft veröffentlicht hatte, ist das Interesse gestiegen. Laut der Studie haben weltweit die börsennotierten Weinunternehmen in den vergangenen Jahren wesentlich besser abgeschnitten als der Leitindex der jeweiligen Handelsplätze.

Wine für die Wall Street

Vor allem in den Vereinigten Staaten ist Wein zum Renner an der Börse avanciert: Bei einer Ausgangsbasis von 100 im Jahr 2001 kletterten die Aktien der Weinwirtschaft in New York bis 2013 auf 1459,9 gegenüber einem Gesamtindex von 205,4. Auch in Australien, Frankreich und in Spanien übertraf die Kursentwicklung der Weinaktien jene des allgemeinen Aktienindex: Weltweit haben sich die Weinkurse im Zeitraum von 2001 bis 2013 im Schnitt um das Dreifache des allgemeinen Aktienindex erhöht.

Italien war bislang nicht mit von der Partie, da erst vier Weinunternehmen an der Mailänder Börse gehandelt werden. Doch in der Pipeline steht angeblich ein Dutzend Weinhersteller, die mit einem Börsengang flirten. Unter anderem erwägen der Nobelwinzer Frescobaldi aus der Toskana und die Cantine Ferrari aus Trient eine Platzierung am Aktienmarkt.

Aber nicht nur Börsennotierungen sind derzeit in der Weinwirtschaft angesagt. In Italien herrscht auch ein Run auf Beteiligungen an Weingärten. Während die Immobilienpreise im Allgemeinen und die Preise im Agrarsektor im Besonderen in den vergangenen Jahren einen Rückgang verzeichnet haben, stiegen die Preise der Weingärten seit 2010 um bis zu 40 Prozent. Die Anbaugebiete für Barolo erreichen inzwischen Rekordpreise von ungefähr einer Million Euro pro Hektar. Und wer nicht in Weinberge investieren kann, kauft sich vielleicht zumindest eine gute Flasche Bordeaux oder Barolo. Zumindest wenn man sich die richtige Bouteille aussucht, ist die Rendite auch hier vielversprechend. (Von Thesy Kness-Bastaroli aus Verona, 7.5.2016)

  • In Italien sind die Preise für Weingärten stark angestiegen.
    foto: apa/hochmuth

    In Italien sind die Preise für Weingärten stark angestiegen.

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