Wie man alten Goldschmuck versilbert

6. Mai 2016, 12:00
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Kunst oder Krempel – die entscheidende Frage beim Verkauf von altem Goldschmuck. Wenn eine Versteigerung nicht mehr möglich ist, bleibt nur der Verkauf als Bruchgold

Wien – In nahezu jedem Haushalt finden sich mehr oder weniger kleine Schätze, die oftmals schon in Vergessenheit geraten sind. Die Rede ist von alten Schmuckstücken aus Gold oder einem anderen Edelmetall, die ihre besten Zeiten längst hinter sich haben – sei es, weil sie aus der Mode gekommen sind, deutliche Verschleißspuren oder andere Beschädigungen aufweisen. Wer sich von solchen Stücken trennen will, sollte zunächst prüfen, ob sie als Schmuck verkäuflich sind – oder nur noch als Bruchgold eingeschmolzen und wiederverwertet werden können.

"Es gibt oft Kunden, die nicht wissen, ob es sich bei Schmuck um Kunst oder Krempel handelt", sagt Gerhard Forster, Leiter des Vertriebs von Schmuckmetallen bei der Scheideanstalt Ögussa. Um zu ermitteln, ob ein Schmuckstück noch für eine Versteigerung geeignet ist, empfiehlt er zunächst den Weg zu einem Auktionshaus wie dem Dorotheum.

Auktionstauglich

"Der Schmuck muss pro Stück einen Mindestrufpreis von 180 Euro ausmachen", nennt Dorotheum-Expertin Astrid Fialka-Herics eine Grundvoraussetzung. Zudem müsse er in gebrauchsfähigem Zustand, sprich: nicht schwer beschädigt, und auktionstauglich sein – was auch eine Frage der Mode sei. Bei geringen Beschädigungen könne sich eine Reparatur lohnen, um ein Schmuckstück nicht als Bruchgold veräußern zu müssen. "In jedem Fall muss das professionell durchgeführt werden, da es sonst wertmindernd ist", rät Fialka-Herics.

Sollte sich mangels Auktionsfähigkeit nur der Verkauf als Bruchgold anbieten, muss ein Stück laut Ögussa-Experte Forster zuerst genau bestimmt werden, denn: "Wir bewerten immer nur den Edelmetallanteil anhand dessen Reinheit und Gewicht." Handelsüblicher Schmuck hat demnach eine Reinheit von 14 Karat, das entspricht 585 Teilen Gold von insgesamt 1000 Teilen. Der höchste Reinheitsgrad von 24 Karat entspricht Feingold, wie es etwa für die Philharmoniker-Goldmünzen verwendet werde. Anhand der aktuellen Kurse für Bruchgold, die sich am jeweiligen Goldpreis abzüglich Recyclingkosten orientieren und auf der Ögussa-Homepage ausgeschildert werden, kann so der Wert eines Gegenstands aus Gold genau ermittelt werden.

Zur Vorsicht rät er bei Angeboten von Juwelieren oder Goldhändlern, die mit Preisen über dem aktuellen Kurs von Bruchgold werben, denn: "Die Aufkäufer müssen zumeist auch zu Scheideanstalten kommen, und das ist mit Kosten verbunden." Eine unlängst vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Magazin "Konsument" veröffentlichte Untersuchung zeigt jedoch, dass in seltenen Fällen tatsächlich bessere Preise lukriert werden konnten.

Vorsicht bei Überzahlung

Wer dies ebenfalls versuchen möchte, dem raten die VKI-Experten zu folgendem Vorgehen: auf Schmuckstücken die Feingehaltspunze suchen, welche den Goldanteil je 1000 Teile angibt, das Gewicht ermitteln und über den Kurs für Bruchgold einen Richtwert ausrechnen – sowie das Stück neben einem Maßband fotografieren. Von mehreren Firmen Angebote einholen und sich vor Ort erklären lassen, wie diese zustande gekommen sind. Wer Internetanbieter nicht scheut, sollte nicht auf das erstbeste Offert einer Firma eingehen, da das zweite laut VKI oftmals besser ausfällt. (Alexander Hahn, 5.5.2016)

  • Um den Wert eines alten Schmuckstücks aus Gold zu ermitteln, muss es ein Experte unter die Lupe nehmen. Vielleicht kann es noch versteigert werden, ansonsten ist es Bruchgold.
    foto: apa/gindl

    Um den Wert eines alten Schmuckstücks aus Gold zu ermitteln, muss es ein Experte unter die Lupe nehmen. Vielleicht kann es noch versteigert werden, ansonsten ist es Bruchgold.

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