Studie: Beitrag des Grundwassers zum Meeresspiegel-Anstieg überschätzt

4. Mai 2016, 07:00
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IIASA-Forscher: Es landet weniger entnommenes Wasser im Meer als gedacht

Wien – Der Meeresspiegel ist im 20. und frühen 21. Jahrhundert um 1,7 Millimeter pro Jahr gestiegen. Angesichts der Klimaerwärmung wird damit gerechnet, dass dieser Trend weiter anhält. Als wichtigste Gründe dafür nennen Wissenschafter das weltweite Abschmelzen der Eisschilde und Gletscher sowie die Ausdehnung des immer wärmer werdenden Wassers der Ozeane.

Eine wichtige Rolle könnte auch die steigende Entnahme von Grundwasser durch den Menschen spielen, wurde bislang gedacht. Allerdings sei dieser Faktor überschätzt worden, bilanziert nun eine Studie, die im Fachjournal "Nature Climate Change" erschienen ist.

Anteil am Problem geringer als gedacht

Im Vergleich zu den beiden erstgenannten Faktoren sei der Beitrag des Grundwassers und anderer terrestrischer Wasser-Quellen gering, heißt es in einer Aussendung des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg.

Bisher gingen die Forscher, etwa auch im Weltklimabericht, davon aus, dass nahezu 100 Prozent des entnommenen Grundwassers in den Ozeanen landen. In der neuen Studie, die Rückkoppelungen zwischen Land, Meeren und Atmosphäre einbezieht, wird dieser Wert eher mit 80 Prozent berechnet. Der auf die Entnahme von Grundwasser zurückzuführende Anstieg des Meeresspiegels beträgt damit nur rund ein Drittel des ursprünglich im Weltklimabericht angeführten Werts von 0,38 Millimeter pro Jahr im Zeitraum 1993 bis 2010.

Das Problem selbst bleibt aber bestehen

Dies ändere aber nichts an den Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegel an sich, betonen die IIASA-Forscher. Und Studienleiter Yoshihide Wada erinnert daran, dass eine steigende Grundwasser-Entnahme auch Auswirkungen abseits der Ozeane hat: "Man kann das im Boden gespeicherte Wasser mit einem Bankkonto vergleichen. Wenn man mehr Geld abhebt als auf das Konto eingezahlt wird, wird man Probleme bekommen."

Eine nicht nachhaltige Nutzung des Grundwassers kann in Zukunft zu Problemen bei der Nahrungsmittelproduktion führen, aber auch zu Umweltproblemen wie einer Verschlechterung der Wasserqualität. (APA, red, 4. 5. 2016)

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