Medienkonferenz: "Fernsehen ist in großen Schwierigkeiten"

3. Mai 2016, 14:22
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Virtuelle und andere Realitäten bei der Tagung der Fachhochschule St. Pölten

Wien – "Das Fernsehen ist in großen Schwierigkeiten." Ausdrücklich in keinem Zusammenhang mit dem Ende von Servus TV stand die Diagnose des Onlineexperten und Content-Marketing-Beraters George Nimeh bei der c-tv-Medienkonferenz der FH St.Pölten am Dienstag. Nimeh bezieht sich auf globale Symtpome, zum Beispiel, dass die neueste Folge von "Game of Thrones" von 600.000 Serienfans illegal heruntergeladen wird – pro Minute. "Niemand will für Content bezahlen", fasst Nimeh das bekannte Dilemma der Medienökonomie zusammen und fragt die gut hundert Studierenden: "Wer von euch verwendet Adblocker?" Die Hände von mehr als zwei Drittel schießen hoch.

"Programmveranstalter müssen ihre Inhalte künftig anders anbieten", sagt Rosa von Suess, Lehrgangsleiterin der FH St. Pölten. Die Bandbreite ist groß, die Möglichkeiten vielfältig, Geschäftsmodelle sind jedoch hier noch zu finden.

Den Schaffensdrang trübt das offenbar nicht. Das Gebot der Stunde, hier sind sich alle Vortragenden einig: Geschichten zu erzählen. Virtual Reality (VR) ist eines der größten Schlagworte auf gängigen Medienkonferenzen. 360-Grad-Videos dreht etwa Kim Majkut. Die in London lebende Regisseurin macht etwa eine Tauchfahrt zum virtuellen Erlebnis: Aus der Sicht des Tauchers sieht man vorbeiziehende Haie, alles was es über die Meeresräuber zu wissen gilt, wird erklärt und via Rundumblick visualisiert.

Nichts davon ist echt – damit arbeitet auch Oliver Gingrich, Art Director und Spezialist für holographische Projektionen. Der besondere Reiz des futuristischen Bühnentricks sind für ihn Echtzeithologramme, etwa wenn Maria Carrey an fünf verschiedenen Plätzen gleichzeitig auftritt. "Wenn man es richtig macht, kann man Zuschauer komplett in eine illusionistische Welt führen", sagt Gingrich.

Einen poetischen Zugang stellte Martin Reinhart, einer der Macher des Dokumentarfilmprojekts "Dreams Rewired" ("Mobilisierung der Träume") vor. Gemeinsam mit Manu Luksch und Thomas Tode hat Reinhart mehr als 200 Filmausschnitte in einen rauschhaften Bilderstrom verwandelt. Träume und Visionen einer Vergangenheit, die teils Wirklichkeit geworden sind – und immer noch gültig sind.

Reinhart erinnerte auch an die Grenzen des Unechten: Das Medienprojekt der Journalistin Nonny de la Pena – via Virtual Reality auf den Straßen von Damaskus einen Bombenanschlag und damit eine neue Art des Nachrichtenjournalismus' zu erleben, fasziniert vielleicht auf den ersten Blick: "Wenn ich jemanden persönlich treffe, der in Syrien war und ich von ihm eine Geschichte aus erster Hand bekomme, berührt mich das viel mehr als eine seltsame 3-D-Simulation."

Österreich befinde sich bei VR erst im Entwicklungsstadium, sagt George Nimeh und empfiehlt, den Anschluss nicht zu verpassen: "Wer das nicht versteht, ist jetzt schon so gut wie tot." Und es war wieder kein Bezug zu tagesaktuellen Geschehnissen im Mediengeschäft. (prie, 3.5.2016)

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