Raoul Korner: Nur der Kaugummi verschleißt

3. Mai 2016, 17:14
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Als Basketballtrainer im Ausland bleibt Raoul Korner Äquivalent zu einem senegalesischen Skitrainer. In Bayreuth unterschreibt der 42-jährige Wiener für zwei Jahre

Wien/Bayreuth – Wenn Basketballtrainer Raoul Korner in seinem Element ist, und das ist er quasi immer, dann sieht das am Spielfeldrand ungefähr so aus: Mal rudert er mit den Armen, mal ballt er die Fäuste. Auf einen Applaus für seine Spieler folgt eine Schelte für den Schiedsrichter. Ob das seiner Mannschaft nutzt? "Bin ich ein nasser Waschlappen, sind auch meine Spieler nasse Waschlappen", sagt der 42-jährige Wiener. "Wenn ich keine Emotionen mehr habe, dann höre ich auf."

So weit ist es freilich noch lange nicht. Jetzt bitte eins und eins zusammenzählen: Raoul Korner hat bereits seine 17. Saison als Profi-Basketballtrainer hinter sich. Die 18. führt ihn zu seiner nächsten Karriere-Station: Von Braunschweig, wo er die vergangenen drei Jahre tätig war, wechselt Korner innerhalb der deutschen Basketball-Bundesliga (BBL) zu Bayreuth. Wieder als Trainer und als Sportdirektor in Personalunion, ausgestattet mit einem Zweijahresvertrag mit Option. "Ich freue mich riesig hier arbeiten zu dürfen und glaube, dass in diesem Verein viel Potenzial schlummert."

Zufriedenheit

Braunschweig brachte er in der abgelaufenen Saison auf Platz zehn. Abstiegskampf war ein Fremdwort, die Playoffs wurden aber wieder knapp verpasst. "Ich sehe das sehr positiv wenn man unsere finanziellen Möglichkeiten bedenkt. Nach drei Jahren kontinuierlicher Etatkürzungen fehlt mir aber der notwendige Glauben, der Richtige für einen wieder einmal anstehenden Neuanfang zu sein."

Raoul Korner ist mit 42 Jahren noch immer jung in seinem Metier, "aber es ist als Basketball-Trainer definitiv kein Vorteil aus Österreich zu kommen." Sein schwarzer Kurzhaarschnitt ist unkompliziert, Anzug und Krawatte sind seit jeher Programm. Seine starke Kiefermuskulatur zermahlt seinen Kaugummi regelrecht, nur sein Ehrgeiz kennt keinen Verschleiß.

No shit

In Braunschweig hatte Korner fünf Amerikaner in seinem Kader. Es gibt eine Ausländerregel, aber in der Liga spielen andere Teams auch mit 12 Legionären, Eingebürgerte mit deutschen Pässen. In der finanziellen Rangordnung der BBL haben Bayern München und Bamberg keine Konkurrenz. "Meister Bamberg hatte zehn Mal so viel Budget wie ich in Braunschweig. Aber im Vergleich mit Europas Topklubs (Real Madrid, ZSKA Moskau etc., Anm.) haben sie wiederum einen kleinen Etat. So jammert jeder auf seinem Niveau", sagt Korner.

Für Vertragsverhandlungen hat Korner einen Agenten, in seinen Anfängen als Cheftrainer in Österreich schrieb sich der studierte Jurist seine Verträge aber selbst. Mit 25 Jahren avancierte er bei WAT Wieden in der österreichischen Bundesliga zum damals jüngsten Erstliga-Trainer in Europa. Unter seinem Wert verkaufte er sich nie. Motto: "If you pay shit, you get shit".

Keine Illusionen

Nach Meister- und Cup-Ehren (Wels, Mattersburg) wechselte er 2010 in die Niederlande, wo er mit 's-Hertogenbosch seine Titelsammlung mit ersten internationalen Trophäen (wieder Liga und Cup) erweitern sollte, außerdem wurde er zum Coach of the Year gewählt.

Es folgte Braunschweig und nun also Bayreuth. Ein Traditionsklub in Deutschland, der nach einem Meistertitel und zwei Pokalsiegen Anfang der Neunzigerjahre in Konkurs ging. Nach einem mühsamen Wiederaufbau wollen die Oberfranken wieder oben mitspielen. Der Hauptsponsor hat um zwei Jahre verlängert, "da steckt Manpower dahinter." Im Sommer fährt Korner wohl nach Las Vegas zur Summer League, der Spielwiese für unausgereifte NBA-Talente. Immer auf der Suche nach einem Rohdiamanten, den man schleifen, aber noch nicht teuer bezahlen muss. Vielleicht wird er dort auch Jakob Pöltl treffen. Der 2,13 Meter-Mann ist aber Gottseidank kein Thema. "Er wird sich hoffentlich in der NBA durchsetzen."

Den Mechanismen der Branche ist sich Korner mehr denn je bewusst. "Es gibt nur zwei Arten von Trainern", sagt er, "diejenigen, die gefeuerten wurden und diejenigen, die gefeuert werden." Insofern hatte Korner als Äquivalent zu einem senegalesischen Skitrainer bisher Glück "weil ich meine Zukunft immer selbst in der Hand hatte. Aber ich weiß, dass mir das auch noch passieren wird." (Florian Vetter, 3.5.2016)

  • Unter Raoul Korner hat Braunschweig in der abgelaufenen Saison sechzehnmal gewonnen und achtzehnmal verloren. Das ergibt unter 18 Teams den 10. Rang.
    foto: ingo hoffmann/partnerdesign

    Unter Raoul Korner hat Braunschweig in der abgelaufenen Saison sechzehnmal gewonnen und achtzehnmal verloren. Das ergibt unter 18 Teams den 10. Rang.

  • Der 42-Jährige über seinen Trainerjob: "Du musst deinem Glück schon einen Schritt entgegen gehen. Die Chancen waren hundertfach da zu sagen, das schaffe ich nicht. Du kannst immer aufgeben und einen leichteren Weg gehen."
    foto: ingo hoffmann/partnerdesign

    Der 42-Jährige über seinen Trainerjob: "Du musst deinem Glück schon einen Schritt entgegen gehen. Die Chancen waren hundertfach da zu sagen, das schaffe ich nicht. Du kannst immer aufgeben und einen leichteren Weg gehen."

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