Flüchtlinge puschen Österreichs Konsum – Arbeitslosigkeit steigt

3. Mai 2016, 11:17
672 Postings

Abgeschlagen beim Wachstum, mehr Arbeitslose: Die EU-Frühjahrsprognose sieht für Österreich keine Entspannung

Brüssel – Die EU-Kommission ist in ihrer Frühjahrsprognose für Österreich für die Jahre 2016 und 2017 weniger optimistisch als zuletzt. Für heuer wird nun ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent erwartet, für 2017 von 1,6 Prozent. Der anhaltende Zustrom von Flüchtlingen unterstütze den privaten und öffentlichen Konsum sowie im Laufe der Zeit das Arbeitskräfteangebot, erklärte die EU-Behörde am Dienstag.

Durch den Zuzug von Flüchtlingen wächst zudem das Angebot an Arbeitskräften. "Das Arbeitskräfteangebot wird wahrscheinlich auch durch Reformen unterstützt, die eine größere Beteiligung von Frauen und ein höheres effektives Pensionsantrittsalter anregen. Dieser Anstieg im Arbeitskräfteangebot kann von der österreichischen Wirtschaft im Prognosezeitraum nicht voll absorbiert werden", schätzt die EU-Kommission. Somit werde sich damit auch die Arbeitslosigkeit weiter von einer Quote von 5,7 Prozent im Jahr 2015 auf 5,9 Prozent und 6,1 Prozent im Jahr 2016 bzw. 2017 erhöhen.

Positive Auswirkungen durch Steuerreform

Positive Auswirkungen sieht die Kommission auch durch die Steuerreform, die das verfügbare Nettoeinkommen der Haushalte erhöht und so den privaten Konsum pusht. Der private Konsum sollte auch durch die staatlichen Ausgaben für Flüchtlinge unterstützt werden, heißt es. 2016 wird das Wachstum von der steigenden Binnennachfrage getragen. Der Baubranche kommen die wachsende Bevölkerung, einschließlich des Zustroms von Migranten, zugute.

Was den Arbeitsmarkt betrifft, so weist Österreich 2016 bei der Arbeitslosenrate laut EU-Frühjahrsprognose die zweitschlechteste Entwicklung der 28 EU-Staaten auf. In 23 Ländern sinken die Quoten, in drei bleiben sie gleich, nur in Österreich (von 5,7 Prozent 2015 auf 5,9 Prozent 2016) und Estland (von 6,2 auf 6,5) gibt es höhere Zahlen.

Arbeitslosigkeit steigt gegen den Trend

Tschechien hat demnach mit 4,5 Prozent die niedrigste Arbeitslosenrate zu erwarten, gefolgt von Deutschland (4,6), Großbritannien (5,0), Malta (5,1) und Österreich auf Rang fünf. Die höchsten Quoten werden für Griechenland (24,7) und Spanien (20,0) erwartet. Auch 2017 kann sich Österreich nicht erholen, es wird ein weiterer Anstieg auf 6,1 Prozent erwartet – und auch dann gibt es nur drei Staaten mit steigenden Quoten: Deutschland (von 4,6 Prozent 2016 auf 4,7 Prozent 2017), Estland (von 6,5 auf 7,7) und Österreich. In zwei Ländern bleibt die Arbeitslosenrate unverändert, in 23 sinkt sie weiter.

Das zeigt sich auch im Gesamtbild. In der Eurozone soll die Arbeitslosigkeit von 10,9 Prozent 2015 auf 10,3 Prozent 2016 und 9,9 Prozent 2017 sinken, in der gesamten EU von 9,4 über 8,9 auf 8,5 Prozent.

Dritthöchste Inflation in Österreich

Österreichs Inflation soll mit 0,9 Prozent die dritthöchste in der EU sein. Höher liegen nur Belgien (1,7) und Malta (1,4). Durchschnittlich soll die Inflation in der EU heuer 0,3 Prozent und in der Eurozone 0,2 Prozent betragen. In acht EU-Ländern wird es demnach 2016 einen Preisverfall geben: Bulgarien und Zypern (minus 0,7), Kroatien und Rumänien (0,6), Griechenland (0,3), Slowenien (0,2), Luxemburg und Slowakei (0,1).

2017 soll sich die Inflation deutlich erhöhen. Für die Eurozone wird ein Anstieg auf 1,4 Prozent und für die EU auf 1,5 Prozent erwartet. Österreichs Inflation soll dann 1,7 Prozent betragen, der achthöchste Wert in der EU. Spitzenreiter wird dann Estland mit 2,9 Prozent sein.

BIP-Wachstum nur auf Rang 21

Beim Wirtschaftswachstum liegt Österreich nur mehr auf Rang 21. 2016 kann Österreich lediglich ein BIP-Plus von 1,5 Prozent erwarten. Das liegt nicht nur unter dem Durchschnitt der EU (1,8), sondern auch unter jenem der Eurozone (1,6). Die besten Prognosen gibt es für Irland mit 4,9 Prozent. Alle EU-Staaten können mit einem Wachstum rechnen, ausgenommen Griechenland (minus 0,3).

Ein Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent können neben Irland noch Rumänien (4,2), Malta (4,1), Polen (3,7), Schweden (3,4), Luxemburg (3,3), Slowakei (3,2 Prozent), Lettland und Litauen (2,8), Spanien (2,6), Ungarn (2,5) und Tschechien (2,1) erwarten. (APA, red, 3.5.2016)

  • Es gibt mehr Jobs, leider nicht genug, um die verfügbaren Arbeitskräfte aufzunehmen.
    foto: reuters/ebenbichler

    Es gibt mehr Jobs, leider nicht genug, um die verfügbaren Arbeitskräfte aufzunehmen.

Share if you care.