Lehrer gegen gemeinsames Technisches und Textiles Werken

3. Mai 2016, 10:49
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Auch in der AHS-Unterstufe soll es künftig einen gemeinsamen Werkunterricht geben. So sollen Rollenbilder aufgebrochen werden. Lehrervertreter sind dagegen

Wien – Gegen eine geplante Zusammenlegung der Fächer Technisches Werken und Textiles Werken auch in der AHS-Unterstufe sprechen sich Lehrervertreter aus. Die Maßnahme ist Teil des derzeit in Begutachtung befindlichen ersten Schulrechtspakets. Die Pädagogen fürchten einen Qualitätsverlust des Werkunterrichts.

Derzeit werden in der AHS-Unterstufe die Fächer Textiles Werken bzw. Technisches Werken als sogenannte alternative Pflichtgegenstände geführt – das bedeutet, dass die Schüler sich für eines der beiden entscheiden müssen. "Dabei entspricht das Wahlverhalten oft veralteten Rollenbildern, sodass Mädchen sehr viel häufiger textiles Werken und Burschen technisches Werken wählen", wird die geplante Änderung in den Erläuterungen begründet. Künftig soll es deshalb (bei gleichbleibender Stundenanzahl) einen einzigen Pflichtgegenstand "Technisches und textiles Werken" geben, in dem beide Lerninhalte vermittelt werden. Die Maßnahme soll im Schuljahr 2021/22 in Kraft treten.

Kompetenzen für beide Geschlechter

Diese Zusammenlegung wurde an den Neuen Mittelschulen (NMS) bereits 2012 realisiert. Nun sollen Volksschulen, die auslaufenden Hauptschulen und AHS-Unterstufen nachziehen. "Damit eröffnen sich für Burschen und Mädchen neue Chancen: die gleichwertige technische und gestalterische Kompetenzentwicklung für beide Geschlechter und damit auch eine Erweiterung der beruflichen Perspektiven", heißt es in den Erläuterungen.

Vorerst soll in einer Übergangszeit der neue Gegenstand im gleichmäßigen Wechsel innerhalb eines Schuljahrs geführt werden – also alternierend technisches bzw. textiles Werken unterrichtet werden. Langfristiges Ziel ist eine Verbindung der beiden Fächer durch projektorientierten, fächerübergreifenden Unterricht oder offene Lernformen.

Verlust an Identifikation

Wenig Freude damit hat der Berufsverband Österreichischer Kunst- und WerkerzieherInnen (Bökwe). Seit Zusammenlegung des Werkunterrichts an den Neue Mittelschule habe die fachliche Qualität "deutlich eingebüßt", heißt es in einer Stellungnahme. Bei den Lehrern sei es deshalb zu einem Verlust an Identifikation sowie Frustration gekommen. An den Neuen Mittelschulen habe man außerdem die zentrale Forderung nach einer Aufweichung bzw. Auflösung des Rollenbildverständnisses nicht erreicht. Dazu seien sowohl technische als auch textile Fachkompetenzen "massiv abgebaut" worden, ohne als Kompensation neue übergeordnete werkspezifische Kompetenzen auszubilden.

Die AHS-Lehrergewerkschaft argumentiert mit einem Verweis auf den Sprachunterricht: "Technisches und Textiles Werken haben, obwohl es sich in beiden Fällen um Werken handelt, inhaltlich miteinander ebenso wenig zu tun wie etwa Französisch und Italienisch, obwohl es sich in beiden Fällen um romanische Sprachen handelt. Kein Mensch käme auf die Idee, diese beiden Fremdsprachen nicht mehr als Alternative zur Wahl anzubieten, sondern zusammengelegt unterrichten zu wollen." (APA, 3.5.2016)

  • Die Zusammenlegung wurde an den Neuen Mittelschulen (NMS) bereits 2012 realisiert.
    foto: dpa-zentralbild/marc tirl

    Die Zusammenlegung wurde an den Neuen Mittelschulen (NMS) bereits 2012 realisiert.

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