Grüßen auf dem Motorrad

5. Mai 2016, 16:00
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Echter Motorradfahrer oder o-ber-lä-ch-er-lich

foto: apa / georg hochmuth

Pro
von Guido "Nierenspender" Gluschitsch

Pannoniaring. Beim Anbremsen vor der fünften Kurve. Da grüßte er freundlich. Andreas Meklau. Nein, er hob nicht lässig die linke Hand, als er innen vorbeiflog. So grüßt vielleicht der Kollege Gianni.

Unter uns, der Gianni wäre da innen nie mehr durchgekommen. Der Bremspunkt war ewig spät gewählt. Da war nicht mehr viel Luft. Ja gut, außer unter dem Vorderrad vom Herrn Meklau. Der war nämlich an dieser Stelle noch beim Beschleunigen. Ein paar Zentimeter höher lupfte er das Rad, zum Gruß, bevor er bremste.

So grüßen Motorradfahrer. Mit hoch erhobenem Vorderrad. Zwei Finger der linken Hand vom Lenker zu heben, das ist der Gruß der Supersportbiker mit den jungfräulichen Knierutschern. Mehr geht halt nicht, weil sie fürchten vom Bock gerissen zu werden, wenn sie nicht wie ein Ertrinkender an den Lenker klammern.

Aber ein echter Motorradfahrer, der grüßt entweder mit einem Wheelie, einem Highsider oder wie alle anderen auch mit der rechten Hand. Nur halt nicht beim Fahren, sondern dort, wo man nach der Ausfahrt zusammenkommt. In der Notaufnahme.

Kontra
von Gianluca "Katzenwachler" Wallisch

Uuups, hat der Glu einen Stern gerissen, weil er so gut erzogen ist und zurückgrüßen wollte? Jetzt liegt er im Schotter – und noch dazu völlig falsch: Denn andere Motorradfahrer zu grüßen, das ist wie Beckenrandschwimmen, Warmduschen, Kanaldeckelausweichen und Vorwärtseinparken.

Zu Tausenden kommen sie dir entgegen, jetzt mit den ersten warmen Sonnenstrahlen, und sie grüßen dich so überschwänglich, als würden sie die Atacamawüste durchqueren und einen Sankt Pöltner oder Bludenzer erspähen.

O-ber-lä-ch-er-lich. Oder gehören Sie zu jenen, die in der Kärntner Straße à la Crocodile Dundee jeden einzelnen Passanten grüßen? Eben. Und Sie bestätigen auch nicht jede Facebook-Freundschaftsanfrage, oder? Eben.

Da aber auch ich nicht als Grantscherben gelten will, montiere ich mir vielleicht die goldene Winke-winke-Katze meines Lieblingschinesen ums Eck auf den Lenker. Die könnte die sozialen Interaktionen übernehmen, und so hätten dann auch die Neonwestenauslüfter, Vorderradheber und Nierenspendekandidaten ihre Freud'. (RONDO, 6.5.2016)

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