US-Gericht zwingt Frau, iPhone mit Fingerabdruck zu entsperren

3. Mai 2016, 09:28
22 Postings

Rechtsstreit um Legalität des Urteils, da sich die Beschuldigte damit selbst belasten könnte

Ein US-Gericht hat eine 29-jährige Verdächtige gezwungen, ihr iPhone per Fingerabdruck zu entsperren. Der Vorgang löst in den USA nun heftige Debatten aus. Denn es gilt rechtlich als unklar, ob ein Fingerabdruck zum Entsperren von Geräten überhaupt verlangt werden darf. So wird ja zwischen allgemeinen physischen Beweisstücken wie Haaren oder Speichel und Aktionen, die Verdächtige selbst belasten, unterschieden. Der Fingerabdruck zum Entsperren liegt quasi in der Mitte.

Aussage oder Biometrie?

Die US-Rechtsprofessorin Susan Brenner argumentiert gegenüber der LA Times, dass sich die Beschuldigte durch das Entsperren selbst belastet. Das sei aber durch den 5. Zusatzartikel der US-Verfassung verboten – niemand kann zu einer Aussage, die negativ für ihn ausgelegt werden kann, gezwungen werden. Doch es gibt naturgemäß auch Gegenstimmen. Albert Gidari von der Stanford University meint etwa, dass das Hinhalten eines Fingers nicht als Zeugenaussage zu werten sei.

Rechtslage unklar

Bislang gibt es weltweit nur wenige Gerichtsentscheidungen, die Menschen zum biometrischen Entsperren ihrer Geräte zwingen. iPhones und iPads verfügen seit 2013 über das Feature. Wird ein Smartphone oder Tablet allerdings 48 Stunden lang nicht benutzt, muss ohnehin das Passwort eingegeben werden. Dann liegen die juristischen Konfliktlinien wiederum anders, da Passwörter meist schon als selbst belastend gesehen werden. Es ist durchaus möglich, dass ein derartiger Fall also einer Entscheidung durch Höchstgerichte harrt. (red, 3.5.2016)

Links

LATimes

  • Apple-Manager Phil Schiller bei der Präsentation des Fingerabdrucksensors
    foto: reuters/lam

    Apple-Manager Phil Schiller bei der Präsentation des Fingerabdrucksensors

Share if you care.